Bukumatula 6/1989

Gute Nacht, Heilige Nacht

Klaus Perell:


„GUTE NACHT, HEILIGE NACHT“

Eine kurz-launische Buchbesprechung

… was für eine Gelegenheit, in schimmernden Kaufhäusern Krücken zu kaufen, die von Arbeitskrüppeln für Konsumkrüppel produziert wurden …

„Die Geschichte Jesu Christi hat die Menschheit tief berührt und zu Tränen, Jammer und großer Kunst bewegt. – Vergeblich suchen die Menschen die Schönheit Gottes in ihren erstarrten Körpern, und sie können nicht aufhören seine Existenz in sich und außerhalb zu fühlen. Die Menschen scheinen jedes echte, volle Lebensgefühl verloren zu haben. Geblieben ist eine tiefe Sehnsucht nach Lebensglück und die Erinnerung an ein glückliches, längst vergangenes Leben. Aber Sehnsucht und Erinnerung können im Leben nicht wirklich gelebt werden. Aus solcher Einengung heraus ist Hass gegen das Leben entstanden. Christus verkörpert das ‚Prinzip des Lebens an sich“. Die Massen lieben Jesus. In Wirklichkeit ist diese Liebe ein Hunger nach Liebe.“ (Wilhelm Reich).

Ein Buch, das Wilhelm Reich besonders wichtig war, erschien 1953: „Der Christusmord“. Es ist einerseits das am leichtesten missverstehende und andererseits das von Anhängern und Gegnern am meisten vernachlässigte Werk. Der Reich-Biograph David Boadella schreibt darüber: „Jesus Christus wurde für Reich zur sinnfälligen Symbolgestalt, zum Inbegriff einer warmherzigen, liebenden, frei handelnden und ungepanzerten Person, die in Kontakt stand mit ihren eigenen Gefühlen und mit dem Kosmos, Inbegriff eines sensiblen Menschen mit natürlicher Heilkraft und der Botschaft der Brüderlichkeit Wenn Christus das Prinzip der Spontaneität und Aufrichtigkeit repräsentiert, wenn er für das Leben stand wie es war, ehe es blockiert und gegen sich selbst gewandt wurde, dann trägt jedes Kind ein Christus-Prinzip in sich, gegen das sich alle Erziehungsmethoden zu systematischem Angriff verschwören, um das emotionale Leben des Kindes zu schädigen. In diesem Sinn muss jedes Kind, das sich dem grausamen Diktat der kulturellen Erfordernisse anzupassen lernt, einen inneren Tod erleiden. Charakterliche und muskuläre Panzerung sind lediglich die nach außen hin sichtbaren Zeichen für diesen erlittenen Tod. In diesem Sinn wird jedes Kind, das durch einen solchen repressiven Prozess hindurchgeht, symbolisch ‚gekreuzigt'“.

Weihnachten ist das Fest des verlorenen Gotteskindes in uns. Christus ist das Kind, das in seinem Bettchen alleine gelassen wird und nicht weiß, warum vieles so schrecklich schmerzhaft ist und sich langsam in das Dasein eines lebenden Toten hineinbegibt … und selbst langsam zum Mörder wird.

Nach dem Buch von Wilhelm Reich „Der Christusmord“,

Walter Verlag, 1978,

Schweiz (derzeit vergriffen)