Bukumatula 4/1989

Von Beruhigungsstrategien zur Emotionalen Reintegration

Fortsetzung von Bukumatula 3/89
Peter Bolen:


Es ist ein Verdienst Arthur Janovs herausgefunden zu haben, daß über die Erhöhung der Stresshormone auch der Cholesterinspiegel bei „Urschmerz“ steigt und bei erfolgreicher Primärtherapie sinkt. Das Cholesterin ist verantwortlich für die Entstehung von Arteriosklerose und ist damit Ausgangspunkt vieler Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems, des vorzeitigen Alterns, des hohen Blutdrucks durch Gefäßablagerung usw. Wie ich schon in vorherigen Kapiteln erwähnt habe, sind wir in der Lage, die „innere Spannung“ mittels EEG zu messen. Wir können heute sehr präzise Aussagen machen, ob jemand unter Urschmerz steht oder nicht.

Wie könnte man nun etwa die Bedeutung der Gestalttherapie, die von Fritz Perls entwickelt wurde, im Gesamtkonzept der psychotherapeutischen Methoden verstehen? Perls erkannte, daß durch die Bewusstmachung von Polaritäten der Patient sich mit dem Spannungsfeld identifizieren kann, das seine innere Energie gebunden hält. Durch die Bewusstmachung dieser Spannung kommt er in einen Zustand, den Perls „Impass“ (auf Deutsch etwa „Sackgasse“) nannte. Ein Zustand, wo es keinen Ausweg mehr gibt, ein Zustand, wo der Patient mit seinem Urschmerz in Berührung kommt. Wenn er diesen erleben kann, dann verändert sich ganz von selbst – wie vorher erwähnt im Sinne eines homöostatischen Systems – der innere Zustand. Perls nannte die Integration abgespaltener Teile „Implosion“ und die anschließende selbständige Befreiung und Wiederrückgewinnung von vorher brachliegender Lebensenergie „Explosion“. Am deutlichsten haben diesen therapeutischen Ansatz die Autoren Stämmler und Bock in ihrem Buch „Neuentwurf der Gestalttherapie“ beschrieben. Dort ist nachzulesen, daß Perls selbst als sechzigjähriger Mann in den „Impass“ kommen musste, um zu erleben, wie er durch körperorientierte Therapie bei Ida Rolf zu seinen tiefen Urschmerzen kam und wie durch „Kontraktion“, wie das in diesem Energiemodell genannt wird, der Mensch durch das Wiedererleben seines Urschmerzes gesunden kann. Die besondere Aufmerksamkeit Perls galt einer speziellen Abwehrform seiner Klienten, die er „phobische Reaktion“ im Sinne von Ausweichen, Vermeiden, bezeichnete. Er war ein Meister der Beobachtung des „Nicht-in-Kontakt-Seins“; dies immer wieder bewusst gemacht, ermöglichte das selbsttätige Einsetzen einer Heilung. Perls war kein körperorientierter Therapeut, obwohl er Körpersprache, Mimik, Gestik etc. stark in seine Beobachtung mit einbezog. Er selbst war kurze Zeit in Therapie bei Wilhelm Reich.

Reich ging bei der Entwicklung seiner Arbeitsmethode von der Beachtung biologischer Vorgänge aus. Er beobachtete, daß jeder lebendige Organismus „pulsiert“: Phasen der Kontraktion und Phasen der Expansion wechseln rhythmisch ab. Jeder Organismus, sei es ein Einzeller, eine einzelne menschliche Zelle oder der ganze menschliche Körper, pulsiert in einer bestimmten wellenförmigen Art, die beobachtbar, aufzeichenbar und auch unterbrechbar ist. Unterbrechbar etwa durch Kontraktionen, die als Reaktion auf Traumata anzusehen sind. Werden diese Kontraktionen chronisch, kommt es zu einer chronischen Unterbrechung des Energieflusses im menschlichen Körper. Reich lenkte seine Aufmerksamkeit bereits in den dreißiger Jahren auf diesen muskulären „Panzer“ des Menschen, wie er ihn nannte. Durch manuelle Techniken an diesem „Panzer“ machte er die muskulären Blockierungen dem Patienten bewusst. Dies wiederum setzte das Selbstregulationssystem in Bewegung: Energie begann wieder zu fließen. Dem Patienten wurde es dadurch ermöglicht, sich dem Selbstheilungsvorgang hinzugeben. Die Aufmerksamkeit Reichs galt vor allem der Atmung (er beobachtete, daß chronisch angespannte Menschen in einer „Einatmungsstellung“ verharren, um mit einem „flachem“ Atmen das Aufsteigen tiefer Emotionen zu verhindern). Gerda Boysen, die von Ola Raknes, einem norwegischen Schüler Wilhelm Reichs, ausgebildet wurde, lenkte die Aufmerksamkeit auf eine andere Form der energetischen Entladung. Sie entwickelte den Begriff der „psychischen Peristaltik“, die über das Eingeweidesystem abläuft und eine zusätzliche Funktion des Verdauungstraktes neben der Hauptfunktion der Verdauungsperistaltik darstellt.

Es gibt also verschiedenste Möglichkeiten, dem Körper Spannungsenergien abführen zu helfen: durch Reden, durch emotionale und durch muskuläre Abreaktion, etc. Dennoch bleiben große Teile des Gehirns damit beschäftigt, dem gespeicherten Urschmerz Dämme zu errichten, um diesen isoliert zu halten und ihn nicht fühlbar zu machen. Janov weist darauf hin, daß uns große Teile unseres Gehirns nicht zur Verfügung stehen, weil sie damit beschäftigt sind, Urschmerz zu unterdrücken. Deshalb ist Primärtherapie eine so wichtige Neuerung in der Psychotherapie, in der es darum geht, durch bestimmte Techniken mit dem gespeicherten Urschmerz in Kontakt zu kommen, diesen emotional voll zu erleben, und damit das Gehirn von dieser gespeicherten Energie auf Dauer zu befreien. Mit anderen Worten: das abgespaltene emotionale Erleben wird in unser Gesamtbewusstsein reintegriert. Wir werden bewusster, aufnahmebereiter, lebendiger, lebensfähiger.

Es ist auffallend, daß die späten Werke Freuds und die späten Werke Reichs ein gewisser Pessimismus durchzieht. Freud meinte: „Es ist schon ein Fortschritt, wenn es uns gelingt, neurotisches Elend in gewöhnliches Elend zu transformieren“. Und Reich äußerte sich etwa so: „Einen neurotischen Menschen kann man genauso wenig zu einem gesunden Menschen machen, wie man einen krumm gewachsenen Baum zu einem geraden Baum machen kann. Man kann nur einen gesunden krummen Baum aus ihm machen.“ Die Hoffnung Reichs lag in den ‚Kindern der Zukunft‘: „Es müsste gelingen, das Bewusstsein der Menschen zu erweitern, damit sie ihre eigene Neurose nicht an ihre Kinder weitergeben“.

Nun könnte man einwenden: Zwar gelingt es uns nicht, krumm gewachsene Bäume gerade wachsen zu lassen, aber vielleicht reicht es auch, wenn wir sie zum Blühen bringen und sie dazu bringen, daß sie Früchte zu tragen. Doch geht aber dieser Trost an dem Faktum vorbei, daß es tatsächlich möglich ist, Heilung zu erreichen. Und hier unterscheidet sich Janov grundlegend von seinen Kollegen. Er beschreibt volle Heilungen und beschreibt auch, wie ein geheilter Mensch aussieht. Es ist ein Mensch ohne Abwehrmechanismen.

Es bleibt die Frage: Kann ein „ungepanzerter“ Mensch, der durch eine tiefgreifende Therapie hindurchgegangen ist, in unserer neurotischen und bedrohlichen Umwelt leben? Wenn wir uns das Bild eines Ritters des Mittelalters hernehmen und den Muskelpanzer durch die Stahlrüstung symbolisiert sehen, so hat dieser Ritter gelernt, auf Attacken des Gegners damit zu reagieren, daß er sich steif macht und sich darauf verlässt, daß der Panzer den Schwertschlag abwehren kann. Andere Strategien wären, mit dem eigenen Schwert zu parieren oder früher hinzuschlagen als der Gegner. Wenn wir diese gleiche Strategie weiterhin anwenden, nachdem wir unseren eigenen Panzer abgelegt haben, werden wir sicher tief verletzt werden können. Wenn wir aber lernen, beweglich zu werden und Aggressionen nicht anzunehmen, können wir auch in einer sehr feindlichen Umwelt überleben.

Grundsätzlich können wir sämtliche psychotherapeutischen Schulen in zwei Richtungen einteilen: es gibt „aufdeckende“ Methoden und „zudeckende“ Methoden. Sind die aufdeckenden Methoden erfolgreich, so führen sie direkt zu einem emotionalem Erleben und emotionaler Reintegration des Urschmerzes. Zudeckende Methoden können bestenfalls eine Ausschüttung von Endomorphinen und damit eine zeitweilige Beruhigung bewirken. Letztere stehen im wesentlichen in der Tradition der alten psychiatrischen Schulen, denen es vor allem darum ging, Menschen zu „beruhigen“. Ein Beispiel mag der schreiende, um sich schlagende Hysteriker oder Psychotiker sein, der durch den Psychiater zum Verstummen gebracht wird. Niemand frägt, warum er eigentlich schreit. Noch während meiner Tätigkeit an der Psychiatrischen Universitätsklinik in den sechziger Jahren in Wien wurden regelmäßig Frauen, die wegen hysterischer Anfälle eingeliefert wurden, von den Rettungsärzten körperlich misshandelt: dies geschah in den leichtesten Fällen durch Schläge, durch Anschütten mit kaltem Wasser, ja sogar durch Setzen von Nadelstichen in die Brust, mit der Begründung, die Patienten aus ihrem Anfall damit herausbringen zu können. Wie ist dieser Sadismus, wie ist diese unmenschliche Reaktion zu verstehen? Ein laut schreiender Patient, der offensichtlich in Kontakt mit seinem Urschmerz ist, bewirkt bei seiner Umwelt ein Mitschwingen im Sinne eines Resonanzeffektes. Alle Zuhörenden sind dadurch in Gefahr, sich ihres eigenen Urschmerzes bewusst zu werden. Da sie dies massiv abwehren müssen, müssen sie auch den Schreienden zum Verstummen bringen. Dieses Stumm-Machen geschieht heute in den meisten Fällen durch dämpfende Psychopharmaka; es geschah früher (und geschieht auch heute noch) durch Elektroschocks, im schlimmsten Falle durch chirurgische Eingriffe im Gehirn (Lobotomie). Zudeckende Therapien beruhigen also, passen an, haben aber keine dauerhafte Wirkung. Der Urschmerz ist weiterhin aktiv. Woran können wir subjektiv das Vorhandensein von Urschmerz feststellen? Am einfachsten an der ständigen „inneren Unruhe“, die uns dazu treibt, immerzu geschäftig zu sein, ständig viel zu essen, übermäßig Alkohol zu trinken, etc. Ständiger Wunsch nach schneller sexueller Abreaktion gehört ebenso zu den Hinweisen auf vorhandenen Urschmerz wie permanente Beruhigung durch Arbeit; ein Zustand, für den der Ausdruck „Workoholic“ geprägt wurde.

DAS LEBEN „NACHHER“

Es sei an dieser Stelle an Rolf Biermanns Ausspruch erinnert: „Es gibt ein Leben vor dem Tod“. Und um dieses Leben nach einer erfolgreichen Therapie geht es in diesem Kapitel.

„Wehe denen, die sich aufmachen auf den Weg! Es gibt kein zurück mehr. Der Weg führt entweder zur Erleuchtung oder in den Wahnsinn“ (Shree Rajneesh). Aus dem Blickwinkel meiner Erfahrung heißt das, daß es nicht möglich ist, eine partielle Veränderung zu vollziehen. Wenn es zu Durchbrüchen kommt, so haben auch nur kleine

Veränderungen Auswirkungen auf das gesamte Leben des Menschen. Das heißt, es wird durch eine erfolgreiche Therapie das gesamte Bezugssystem, in dem der Mensch lebt, in Frage gestellt werden. Das bezieht sich insbesondere auf die Beziehung zu den Eltern, den Kindern und natürlich auf die Beziehung zum Partner. Die Schwierigkeit liegt darin, daß, wenn ein Partner sich radikal verändert und der andere Partner diese Veränderung nicht mitmacht, es sehr häufig zu einer Krise und oft auch zu einem Auseinandergehen kommen wird. Diese kritische Einstellung gegenüber nahestehenden Menschen wird sich auch auf die Freunde übertragen. Die Person wird ein hohes Maß an Sensibilität entwickeln und natürliche Offenheit von maskenhaftem Verhalten unterscheiden können. „Panzerungen“ anderer Menschen werden als befremdlich und störend empfunden. Die Sehnsucht wird groß sein, gleichgesinnte Menschen zu finden, die ähnliche therapeutische Erfahrungen gemacht haben, oder aufgrund einer glückhaften Kindheit fähig sind, ungepanzert durchs Leben zu gehen. An dieser Stelle sei angemerkt, daß alles dafür spricht, daß eine glückliche Kindheit ein Vorrat an positiver Lebensenergie ist, der für ein ganzes Leben reichen kann und spätere Entsagungen leichter ertragen lässt. Jede Pädagogik, die darauf hinzielt, das Kind zu frustrieren, damit es später den Härten des Lebens besser gewachsen ist, muss fehlschlagen.

Eine kritische Einstellung wird sich natürlich auch auf das Lesen von Zeitungen, auf das Betrachten von Fernseh- und Kinofilmen, etc. auswirken. Es werden plötzlich viele versteckte Botschaften in den Informationen sichtbar werden, die wir, wenn wir nicht sensibilisiert sind, oft unkritisch in uns aufnehmen. Die wachsende Kritikfähigkeit und das Selbstvertrauen in die eigene Urteilsfähigkeit führen zu einer natürlichen Infragestellung von Gesellschaftssystemen, von Politik, Religion etc. Menschen, die sich von den Zwängen früherer Programme gelöst haben, werden in einer natürlichen Opposition zu allen Systemen stehen. Sie werden weder durch nationalistische Parolen noch durch Machtansprüche von Kirchen etc. verführbar sein. Der „Durchschnittsbürger“ wird zu einem ungeheuer suspekten Wesen. Den Durchschnittsbürger, der einen großen Teil seiner Energie dazu verwendet, seinen Urschmerz zu unterdrücken, irritiert liebevolle Offenheit, Ungepanzertheit und Aufrichtigkeit in hohem Maße.

Das Aufgeben von Kompromisshaltungen, von Unterwerfung und Anpassung macht Menschen, die ihr größtmögliches Potential entfaltet haben, zu einer Zielscheibe für irrationale Angriffe aus ihrer Umgebung. Reich zitiert Christus als Beispiel und erleidet dasselbe Schicksal: Bücherverbrennung im Jahre 1956 im klassisch-demokratischen Amerika; eine Hexenjagd auf einen Mann, der institutionalisierte Religionen und autoritäre Staatsformen jeder Schattierung in Frage stellte und freie Sexualität postulierte. Das gleiche Schicksal erleidet dreißig Jahre später Shree Rajneesh in den USA aufgrund der gleichen kompromisslosen Infragestellung von sexueller Zwangsmoral, politischer Verlogenheit und grausamer Unterdrückung von natürlichen menschlichen Lebensbedürfnissen.

Wir leben in einer Zeit, in der sich alternative Lebensformen menschlichen Zusammenseins in einem experimentellen Stadium befinden. Kommunen, die nicht autoritär geführt werden, bei denen Selbstregulation anstelle direktiver Maßnahmen das Funktionsprinzip darstellen, sind nur möglich, wenn die Mitglieder einer solchen Lebensgemeinschaft ihre abgespaltenen Emotionen reintegriert haben; sonst sind diese Experimente zum Scheitern verurteilt. Als Beispiel sei das Auflösen der fünftausend Mitglieder zählenden Kommune Shree Rajneesh‘ in Oregon zu sehen; ebenso das Scheitern der österreichischen Kommune Otto Mühls (im Sinne einer Erstarrung in einem autoritär-hierarchischen System). Selbst die hypothetische Forderung nach gesellschaftlicher Selbstregulation stößt heute auf Unglauben und Skeptizismus. Und doch können wir in der Geschichte nachlesen, daß es in der Han-Dynastie in China (200 v. bis 200 n.u.2.), also etwa vierhundert Jahre lang, ein gesellschaftliches System gab, das ausschließlich auf Selbstregulation beruhte und den Prinzipien des Taoismus folgte (Alan Watts, „Der Lauf des Wassers“).

Die Erkenntnisse über die Unterdrückung von Urschmerz und das Wissen über die unterdrückenden Mechanismen unserer Gesellschaft (Sexualunterdrückung, Unterdrückung von Frauen, etc.) führt letztlich zu der Frage: Wieso ist diese kollektive Panzerung notwendig, in der sich die heutige Menschheit befindet? Welchen „Urschmerz“ mussten wir erleben, damit alle diese Unterdrückungen, Panzerungen, etc. notwendig geworden sind? Die Antwort ist eine spekulative: Die Entwicklung der Menschheit im Sinne der Phylogenese erreichte einen kritischen Punkt, als sich das Großhirn so weit entwickelt hatte, daß wir nicht nur „fühlen“ konnten, was bereits mit dem limbischen System möglich war, sondern auch zu „erkennen“ imstande wurden; auch die eigene Begrenztheit und die eigene Endlichkeit. Dies rief einen „Schock“ hervor. (Bibelzitat: „Und sie erkannten Gott und erschraken fürchterlich“). Die Reaktion war eine Verdrängung, eine „Panzerung“. – Ist es möglich, daß sich die Menschheit von dieser Panzerung wieder befreien kann? Die Jahrmillionen menschlicher Entwicklungsgeschichte geben der Hoffnung Raum, daß wir uns in einem Zustand befinden, der sich im Laufe der nächsten Millionen Jahre ändern wird. Natürlich befinden wir uns in einem Wettlauf mit der Zeit, wenn wir die begrenzten Ressourcen unseres Planeten Erde betrachten, die wir in unserer Blindheit und Gepanzertheit ebenso missbrauchen wie uns selbst und unsere Kinder. Hoffnung können wir aus den Ergebnissen unserer Forschung und unserer psychotherapeutischen Arbeit schöpfen.

Neueste Forschungen, die sich mit dem sogenannten „morphogenetischen Feld“ befassen, lassen vermuten, daß es vielleicht nicht notwendig ist, jeden Menschen in seiner individuellen Blockiertheit zu behandeln. Die Entdeckung des morphogenetischen Feldes besagt etwa: Wenn an einem Ort dieser Welt eine Neuentwicklung in Gang kommt, beginnt gleichzeitig auch an einem anderen Ort eine gleiche Neuentwicklung.

Eine leicht verständliche Form des morphogenetischen Feldes zeigt sich an Beobachtungen von Affen, die auf einer Inselgruppe des Pazifik leben:

Die Affen auf diesen Inseln ernähren sich zum Teil von Kartoffeln. Die Inseln sind untereinander nicht verbunden, so daß zwischen den einzelnen Affenpopulationen keine Kommunikationsmöglichkeit besteht. Auf einer dieser Inseln nimmt ein Affe eine Kartoffel mit an den Strand, um sie dort zu essen. Sie gleitet ihm aus der Hand und fällt ins Meerwasser. Er fischt sie wieder heraus: sie ist gewaschen, schmeckt salzig und er schätzt den angenehmen Geschmack, der sich durch diese neue „Zubereitung“ ergeben hat. Er erzählt es seiner Tante. Sie kommt mit den Onkeln, mit der Großmutter und dem Affenvater an den Strand. Alle beginnen, ihre Kartoffeln zu waschen. Immer mehr Mitglieder einer Affenfamilie bereiten auf diese Art ihre Mahlzeit zu, bis eine kritische Anzahl von Affen, nehmen wir willkürlich einhundert an, auf einer Inselgruppe gleichzeitig ihre Kartoffeln im Meer wäscht, bevor sie sie verspeist. Und ab diesem Zeitpunkt beginnen auf allen anderen Inseln der Inselgruppe die Affen ihre Kartoffeln im Meer zu waschen, ohne daß sie sich irgendwie vorher darüber verständigen konnten.

Dieses Überspringen eines Verhaltens, nachdem eine kritische Anzahl von Lebewesen ihr Verhalten geändert hat, ist diese faszinierende Eigenschaft des morphogenetischen Feldes. Wir brauchen also sozusagen nur eine „genügend große Anzahl von Affen zu ‚behandeln‘, um die Welt zu verändern. – Wenn genügend vielen Menschen die Möglichkeit gegeben wird, ihren Urschmerz loszuwerden und – etwa durch Meditation – ihr volles menschliches Potential zu entwickeln, so kann diese existentielle Veränderung auch auf andere Menschen überspringen. Unsere Aufgabe besteht also nicht darin, andere Menschen zu belehren oder ihnen bestimmte Anleitungen zu geben, sondern darin, daß wir uns selbst verändern. Nur durch diese Art von Einflugnahme verändern wir auch unsere Umwelt.

BERICHTIGUNG:

Auf Seite 19 in BUKUMATULA 3/89 wurde Shree Rajneesh zitiert: „Sexuelle Energie ist transformierbar, sie ist unterdrückbar“. Richtig hätte es heißen sollen: „Sexuelle Energie ist transformierbar, sie ist nicht unterdrückbar“.