Bukumatula 1/1990

An Michel Smith

Nachruf
Beatrix Wirth und Peter Bolen:

 

Im August 1989 ist der amerikanische Psychotherapeut Michael Smith in Santa Fe, New Mexico, gestorben. Einen Nachruf von Beatrix Wirth bzw. von Peter Bolen möchten wir an dieser Stelle gerne wiedergeben.

BEATRIX WIRTH

Als ich wenige Tage nach Michael Smith’s Tod die Nachricht über sein Ableben erhielt, wurde ich mir eines sehr schmerzlichen Verlustes bewußt.

Mich überkam ein großes Gefühl von Verlassenheit. Mit Michael Smith verband ich und viele meiner Freunde, die ihn kannten, eine Art Zuversicht, die Zuversicht, daß einige der Reichschen Visionen auch lebbar sind.

Die „Orgon-Energie“ war, sah man Michael bei der Arbeit zu, kein Abstraktum, sondern etwas tatsächlich Erlebbares.
Er zeigte mir, daß Sexualität und Spiritualität einander nicht ausschließen, sondern sich vielmehr wunderbar vereinen. Er zeigte mir, wie man aus einer therapeutischen Sitzung einen künstlerischen Akt gestaltet und wie schön es sein kann, miteinander zu lachen und zu weinen.

Ich durfte miterleben, mit welch großem Respekt und Demut ein Mensch der Größe des Lebens begegnete. Doch was den Verlust vielleicht am schmerzlichsten macht, ist: Nie zuvor bin ich jemandem begegnet, der eine derart starke Liebe zu allem Lebendigen in sich trug. Dies erfahren zu haben macht mich sehr dankbar.

Ich erinnere mich, daß Michael nach einer Sitzung bisweilen zu sagen pflegte: „Be in a good company!“. Ich habe nach dem Tod von Michel dieses Bedürfnis besonders stark erlebt – ein Bedürfnis, mich mit Menschen zu umgeben, mit denen ich „wahr sprechen“ kann, bei denen ich meine Panzerungen nicht weiter aufrecht erhalten muß und mit denen ich einige meiner eigenen Visionen leben kann.

PETER BOLEN:

Lieber Mike, für uns zwei kam es nicht überraschend.

Dennoch hatten wir voriges Jahr zu Deinem Geburtstag über die makabre Geschichte gelacht, als das Gerücht kursierte, Du seist gestorben. Du meintest damals, daß Dir das wohl einige Leute wünschen würden. Du bist mir um vier Jahre und einen Tod voraus.

Es gibt diese eigenartige Parallele zwischen unseren Lebensläufen. Die Trennung von der ersten Frau mit vier, bei mir mit drei Kindern, Dein Wunsch mit Linda ein Kind zu haben wie ich mit Brigitta und schließlich der Beginn des neuen Zyklus mit Ellen wie ich mit Andrea, die uns die Kinder der Zukunft schenken. Du konntest David und Jesse all das geben, was wir über das Leben entdeckt hatten so wie ich es meinem noch ungeborenen Kind geben möchte. Mike Benjamin konntest Du nicht mehr begleiten, nur ihm gerade die Lebensfackel weiterreichen. Al und all diejenigen von uns, die Du mit Deiner Suche angesteckt hast, sind noch für ihn da.

Für Dich hast Du das, was wir alle suchen, in den letzten Jahren gefunden. Deine Zirkel wurden klar und einfach. Oft wenn Du Reich zitiert hast, hast Du längst unbewußt Dich selbst zitiert. Er ist ein Teil von Dir geworden.

Ich habe Dich geliebt, wenn Du „unseren“ Rumi gelesen hast und heule jetzt, wenn ich an Deine Liebe zu mir denke.

Wir haben beide keinen falschen Weg ausgelassen. Einmal meintest Du, Du hättest nichts unversucht gelassen bis auf einen Bankraub. Du bist Deinen Lebensweg mit offenen Augen und mit offenem Herzen gegangen und hast bestimmt sehr viel mehr gegeben als geraubt, mehr als ich das je vermochte. Und immer wieder hast Du mich darauf aufmerksam gemacht, wenn ich vom Weg des Herzens in die Welt der Perfektion gestolpert bin.

Du sagtest einmal, sechs wirkliche Freunde wären genug, um einen Sarg zu tragen. Du wirst mir auf meinem letzten Weg fehlen. Ich werde vielleicht zu Fuß gehen müssen.

Adieu!

In Liebe

Peter