Über das Leben des Wiener Psychoanalytikers Karl von Motesiczky und den Umgang mit seiner Geschichte

Immer wieder wurde mir während meiner Interviews mit Menschen, die Karl von Motesiczky – zumindest über eine gewisse Zeitspanne hinweg – gekannt hatten, die erstaunte Frage gestellt, was denn an ihm so interessant wäre, dass jemand eine Biographie über sein Leben schreibt. Ein Leben, von dem selbst die wenigen noch lebenden Verwandten und Freunde immer nur Ausschnitte zu erzählen wissen. Genau dies stellte jedoch auch das Reizvolle an meiner Arbeit dar. Die oft detektivisch anmutende Rekonstruktion der Biographie einer Person, die nicht nur in gängigen historischen Darstellungen keine Erwähnung findet, sondern sogar in Autobiographien von Menschen, die viele Jahre eng mit ihr zusammengearbeitet hatten, nicht vorkommt. Der Ort, an dem er lebte und wo eine Gedenkstätte an ihn erinnern sollte, an der jedoch auch die dort wohnenden Menschen seit Jahrzehnten vorbeigehen, ohne sie je wahrgenommen zu haben. Mein Anliegen ist es, dem Menschen Karl von Motesiczky und seinem Werk jene Anerkennung zuteil werden zu lassen, die ihm Zeit seines Lebens und v. a. danach verwehrt geblieben war. Ein anderer, für mich besonders interessanter Aspekt an der biographischen Arbeit ergibt sich aus dem Umstand, dass sich die Geschichte der Familie Karl von Motesiczkys von Beginn an in der Geschichte der Psychoanalyse widerspiegelt – eine gemeinsame Geschichte, die während der national-sozialistischen Herrschaft in Österreich ihr Ende fand.
Diese Geschichte möchte ich im folgenden nachzeichnen. Sie beginnt dreißig Jahre vor Karl von Motesiczkys Geburt, als Sigmund Freud, ein 18jähriger Student, im Wintersemester 1874/75 eine Vorlesung bei Franz von Brentano an der Universität Wien inskribierte. Brentano war 1864 zum katholischen Priester geweiht worden, erhielt 1869 den Auftrag eine „Denkschrift der deutschen Bischöfe gegen das Unfehlbarkeitsdogma“ des Papstes auszuarbeiten (Brauns 1989, S. 42). 1872 wurde er zum außerordentlichen Professor in Würzburg ernannt und trat 1873 von dieser Professur zurück. Er legte sein Priesteramt nieder und trat ein Jahr später aus der Katholischen Kirche aus. 1874 folgte er einem Ruf als Ordinarius für Philosophie nach Wien, wo er mit der Absicht, Ida von Lieben, die Tochter einer der reichsten und vornehmsten jüdischen Familien der Stadt, die Schwester Karl von Motesiczkys Großvater Leopold, zu ehelichen, einen gesellschaftlichen Skandal verursachte. Da nach herrschender österreichischer Rechtssprechung die Heirat eines ehemaligen Priesters als unmöglich galt, trat Brentano von seiner Professur zurück, erwarb die sächsische Staatsbürgerschaft und vermählte sich am 16. 9. 1880 mit Ida von Lieben in Leipzig. Nach seiner Rückkehr lehrte er dann bis 1895 als Privatdozent an der Universität Wien (Bernfeld 1949, S. 145f.). In seinen Jugendbriefen an Eduard Silberstein berichtete Sigmund Freud, dass er die Vorlesungen Brentanos besuche und wie sehr er von ihm beeindruckt war (Freud 1989).

Als Theodor Gomperz, ein an der Universität Wien lehrender Philosoph und Historiker, 1878 für die Herausgabe von John Stuart Mills „Gesammelten Werken“ einen Übersetzer für den zwölften Band suchte (Kann 1974, S. 106), stellte sich erneut eine Verbindung zwischen Sigmund Freud und der Familie Motesiczkys her: Theodor Gomperz war der jüngste Bruder Sofie von Todescos, Karl von Motesiczkys Urgroßmutter. Gomperz schlug ihm Franz von Brentano als Übersetzer vor (Bernfeld 1949, S. 143).

Neun Jahre später kam Freud wiederum in Kontakt mit der Familie, diesmal jedoch unter ganz anderen Voraussetzungen. Vom Studenten und Mitarbeiter war er zum Arzt Anna von Liebens, Karl von Motesiczkys Großmutter, avanciert – eine Patientin, die nochmals unter dem Pseudonym Cäcilie M. in den „Studien über Hysterie“ Berühmtheit erlangen sollte. Noch Jahre nach dem Ende der Behandlung Anna von Liebens schrieb Freud an seinen Freund Wilhelm Fließ: „Wenn Du Cäcilie M. kenntest, würdest Du keinen Moment zweifeln, dass nur dieses Weib meine Lehrmeisterin gewesen sein kann.“ (Freud 1986, S. 243)

Anna von Lieben wurde 1847 als viertes von acht Kindern Eduard und Sofie von Todescos in Wien geboren. Ihr Vater leitete seit 1848 ein unter dem Namen „Hermann Todesco´s Söhne“ bestehendes Großhandelshaus als Privatbank und zählte zu den Spitzenrepräsentanten der damaligen Finanz- und Bankenwelt. Die Familie war in erster Linie darauf bedacht, nach außen hin ihren Repräsentations-Pflichten nachzukommen. Auf Sehnsüchte und Wünsche der einzelnen Familienmitglieder wurde wenig Rücksicht genommen, wie Anna von Lieben es in ihren Gedichten beschrieb (Lieben 1901, S. 86). 1866 floh sie im Alter von 18 Jahren zu ihrer Schwester Fanny nach England in der Hoffnung, ihrem Schicksal – mit einem reichen, angesehenen, aber ungeliebten Mann verheiratet zu werden – entkommen zu können. Sie blieb zwei Jahre in England, wo sie psychisch schwer erkrankte. 1868 gab Anna von Lieben schließlich dem Drängen ihrer Eltern nach (ebd. S. 23) und kehrte nach Wien zurück. Drei Jahre später heiratete sie den wohlhabenden jüdischen Bankier Leopold von Lieben. In den folgenden Jahren brachte sie fünf Kinder zur Welt. 1882 wurde ihre jüngste Tochter, Henriette – Karl von Motesiczkys Mutter – geboren.

Anna von Liebens psychischer Zustand hatte sich von 1874 an wieder zu verschlechtern begonnen. Nur während ihrer Schwangerschaften ging es ihr besser. Von 1887/1888 an übernahm ein junger Arzt die Behandlung Anna von Liebens (Swales 1986, S. 50): Sigmund Freud, stellte in den „Studien über Hysterie“ Cäcilie M. als jene Patientin vor, die er weitaus „gründlicher als jede andere“ der in den Studien erwähnten Frauen kennen gelernt habe. Aus „persönlichen Gründen“ jedoch wäre er verhindert gewesen, die Krankengeschichte seiner „Lehrmeisterin“ – wie Freud sie nannte – „ausführlich mitzuteilen“ (Breuer/Freud 1997, S. 88).

Die Behandlung war zunächst auf Hypnose und Suggestion gestützt. Im Herbst 1889 begann Freud gemeinsam mit seiner Patientin, Möglichkeiten und Grenzen der kathartischen Methode auszuloten. Rückblickend schrieb er dann sogar die Einführung der Methode der freien Assoziation seiner Behandlung Anna von Liebens zu (Swales 1986, S. 31). Als sich deren Familie 1893 gegen eine Fortsetzung der Therapie stellte, bedauerte Freud dies zutiefst (Freud 1986, S. 55). Anna von Liebens Zustand verschlechterte sich danach zunehmend. Sie starb am 31. 10. 1900 im Alter von 53 Jahren an Herzversagen. Die Geburt ihres Enkels Karl von Motesiczky erlebte sie nicht mehr.

Ein Jahr vor dem Abbruch der Behandlung Anna von Liebens wurde Sigmund Freud der Arzt eines weiteren Mitglieds der Familie. Elise Gomperz, die Frau von Theodor Gomperz, litt unter starken Gesichtsneuralgien, Schlaflosigkeit und hysterischen Zuständen. Etwa acht Jahre nach Beginn wurde auch diese Therapie abgebrochen (1). Freuds Kontakt zur Familie fand durch die Zusammenarbeit mit dem Sohn des Ehepaars, Heinrich Gomperz, eine Fortsetzung. Heinrich Gomperz zeigte sich von der gerade erschienenen „Traumdeutung“ beeindruckt und stellte sich als Versuchsperson zur Verfügung (Freud 1986, S. 425ff.).

Wenige Monate nach Anna von Liebens Tod lernte ihre jüngste, damals 18-Jährige Tochter Henriette den um 16 Jahre älteren tschechischen Adeligen und Protestanten Edmund Graf Motesiczky-Keseleokö kennen. Bereits bei ihrem zweiten Zusammentreffen beschlossen die beiden, sich zu verloben. Henriette von Liebens Vater reagierte zunächst wenig erfreut. Er warf Motesiczky offenbar vor, dass dieser sich ganz der Musik (2) – er spielte ausgezeichnet Cello (3) verschrieben hätte. Schließlich stimmte er einer Vermählung doch zu. Am 10. 8. 1903 fand die Hochzeit in der Villa Todesco, dem Anwesen der Familie Lieben in der Hinterbrühl, statt. Neun Monate nach ihrer Vermählung – am 25. 5. 1904 – kam Karl Wolfgang Franz Graf Motesiczky zur Welt. 1906 wurde das zweite Kind, Marie-Louise, geboren.

Sechs Jahre nach seiner Heirat nahm Edmund von Motesiczky in der Slowakei an einer Jagd teil, wo er an einer Darmverschlingung erkrankte, infolge der er am 12. 12. 1909 verstarb. Marie-Louise von Motesiczky glaubte, dass der frühe Tod des Vaters „die Ursache dafür war, dass der hochbegabte und eigensinnige Bruder später mit großen Problemen zu kämpfen hatte, einerseits wurde ihm, gemessen am Vater, beinahe jede Anerkennung verweigert, andererseits fehlte ihm die beratende männliche Bezugsperson“ (Gaisbauer 1986, S. IV). Sie beschrieb ihn als begabten und unruhigen Menschen (M.-L. Motesiczky 1986). Auch das Verhältnis zur Mutter war „für den vergrübelten Sohn eher belastet“ (Gaisbauer 1986, S. IV). Nach dem Ende seiner Schulzeit im Realgymnasium I. in Wien besuchte Karl von Motesiczky anfangs die Staatsakademie für Musik und darstellende Kunst. Wie sein Vater war auch Karl von Motesiczky ein sehr talentierter Cellist. Im Sommersemester 1924 wechselte er dann auf die juridische Fakultät der Universität Wien. In diese Zeit fiel auch seine erste Begegnung mit dem acht Jahre älteren Schriftsteller Heimito von Doderer. „Einen jungen Mann von 19 Jahren lernte ich auf einem Hausball kennen, einen in mancher Hinsicht anziehenden Menschen“, schrieb Doderer Mitte Februar 1925 in sein Tagebuch (Doderer 1996, S. 175). Kurz darauf schlossen die beiden Freundschaft. Doderer wurde zu Motesiczky väterlicher Identifikationsfigur und – den Eintragungen in Doderers Tagebüchern zufolge – wohl auch zu seinem Ratgeber in sexuellen Fragen (ebd., S. 223f.). Der wohlhabende „Mote“ – so sein Spitzname – gehörte sofort zum engsten Kreis der Vertrauten Doderers und nahm an dessen schriftstellerischen Tätigkeit regen Anteil. Doderer andererseits setzte seiner Freundschaft zu Mote ein Denkmal. „Er widmete ihm sein zweites Divertimento“ (Fleischer 1996, S. 165). Am 26. 3. 1926 organisierte Motesiczky den ersten Auftritt Doderers in Wien. Er selbst hielt einen einleitenden Vortrag „Über Lesen und Hören“, in dem er die Thesen des Freundes erläuterte. Doderers zweiter Auftritt ein Jahr später war ein derart großer Erfolg – „herbeigeführt durch ein geschicktes Arrangement meines Freundes und `Impresarios´ Karl M.“ (Doderer 1996, S. 351), dass ihm die Einnahmen viele Monate finanzieller Unabhängigkeit sicherten.

Im Oktober 1928 verließ Motesiczky Wien, um in Heidelberg Philosophie zu studieren. 1930 ging er nach Marburg, wo er mit dem Studium der Theologie begann. Wie schon zuvor in Heidelberg engagierte er sich auch in Marburg in der Studentenbewegung, schrieb Artikel in Zeitungen und hielt Vorträge in der sozialistischen Studentengruppe, wo es zu „großer Diskussion mit den Haken- kreuzlern“ kam (4). Die Briefe Motesiczkys aus dieser Zeit belegen die ersten Kontakte mit dem Kommunismus. Im April 1931 zog er nach Berlin, wo er sein Theologiestudium fortsetzte. Er wohnte zunächst in der Bauhofstrasse 1, in Britz gegenüber der Museumsinsel, im Zentrum der Stadt. Einige Monate später übersiedelte er in die Jahnstrasse 69, in den Arbeiterbezirk Neukölln, einen der Hauptagitationsorte des Kommunisten und Psychoanalytikers Wilhelm Reich. Während Motesiczkys erster Wohnort völlig dem Milieu entsprach, in dem er aufgewachsen war, stellten die Verhältnisse in Neukölln einen entscheidenden Bruch mit seiner gewohnten Lebensweise dar.

Reich war Ende September 1930 nach Berlin gekommen, wo er hoffte, mit seiner gesellschaftspolitischen Arbeit auf fruchtbaren Boden zu stoßen. Als Instrument dafür sollte die Sexpol-Bewegung dienen, die auch Motesiczkys weiteres Leben stark beeinflusste. Die Anfänge der Sexpol-Bewegung gehen zurück auf Reichs Wiener Jahre und den Aufbau der „Sozialistischen Gesellschaft für Sexualberatung und Sexualforschung“. Nach seinem Ausschluss aus der Sozialdemokratischen Partei hatte er sich der KPÖ angeschlossen. Seinen letzten öffentlichen Auftritt in Wien bestritt Reich im September 1930 auf dem IV. Kongress der Weltliga für Sexualreform (Fallend 1988, S. 209f.). Seiner eigenen Darstellung nach wurde Reich vom Komitee der Weltliga gebeten, für „sie eine sexualpolitische Plattform auszuarbeiten“, die jedoch „im Beisein Leunbachs und M. Ks. als kommunistisch abgelehnt“ wurde (5) (ZPPS 1934, S. 263). Reichs Plan war es gewesen, die „etwa 80, gesondert geführten und gegeneinander oft feindlichen sexualpolitischen Organisationen (…) in einen Massenverband auf kommunistischer Basis“ (ebd. S 263) zusammenzufassen. Während die KP-Funktionäre noch über die Führerschaft in einem erst zu schaffenden Einheitsverband diskutierten (Rackelmann 1992, S. 48), war in Düsseldorf am 2. 5. 1931 mit Reichs Unterstützung die Gründung eines solchen „Einheitsverbandes für proletarische Sexualreform und Mutterschutz (EV) auf Bezirksebene beschlossen worden“ (ebd. S. 49). Der Deutsche Reichsverband für proletarische Sexualpolitik (RV) – wie Reich selbst den EV nannte – setzte sich zum Ziel, „die deutsche Sexualreformbewegung, die bisher zersplittert und unpolitisch war, unter einheitlicher Führung zusammenzufassen, um sie mit klassenmäßigem, revolutionärem Inhalt zu erfüllen und auf eine zielbewusste sexualpolitische Plattform zu stellen“ (ZPPS 1934, S. 263). Die Kampfforderungen des RV gingen „weit über die KPD Richtlinien hinaus“ (Rackelmann 1992, S. 171).

Unter welchen Umständen Karl von Motesiczky mit Reich in Verbindung kam, ist ungewiss. Möglichkeiten dazu bestanden bei den Massenversammlungen, welche die sozialistischen und kommunistischen Studentenorganisationen veranstalteten und zu denen Reich als Redner eingeladen war oder an der Marxistischen Arbeiterhochschule im Rahmen von Kursen, die Reich ab dem Sommersemester 1931 über „Marxismus und Psychologie“ und „Sexuologie“ hielt (Reich 1995, S. 152f.) und aus denen er „die besten Kräfte herausholte und sie in den Organisationen verteilte“ (ebd. S. 167). Motesiczky war seit September 1932 bei Reich in Analyse (6). Aus seinen späteren Schriften geht deutlich hervor, dass er in der sexualpolitischen und psychoanalytischen Arbeit geübt, ein Schüler Reichs und einer der Studenten war, die in den Sexualberatungsstellen des RV tätig wurden.

Aufgrund seiner Arbeit mit Jugendlichen geriet Reich schnell in Konflikt mit der KPD, die ihm vorwarf, er wolle die Wirtschaftspolitik durch Sexualpolitik ersetzen (ebd. S. 190ff.). Bei einer Verbandskonferenz des EV im Februar 1933 wurde schließlich „eine gegen Reichs Arbeit gefasste Resolution“ angenommen (Rackelmann 1992, S. 66). Damit endete Reichs sexualpolitisches Engagement innerhalb der KPD. Nach der Machtübernahme der Nazis in Deutschland flüchtete er über Wien nach Kopenhagen. „Zwei Berliner Schüler kamen nach. Auch in Kopenhagen meldeten sich mehrere“ (Reich 1995, S. 206). Einer dieser Schüler, die Reich ins Exil folgten, war Karl von Motesiczky. Am 17. 4. 1933 ersuchte die Bundespolizeidirektion Wien die Gestapo in Berlin „um Übersendung eines Verzeichnisses der wegen kommunistischer Umtriebe aus Deutschland ausgewiesenen österreichischen Staatsangehörigen“ (7). Die Antwort erfolgte am 5. 5. 1933: „Anbei übersende ich ein Verzeichnis der bisher aus dem Freistaat Preußen ausgewiesenen österreichischen Staatsbürger. Die Ausweisung ist wegen ihrer Betätigung in der kommunistischen Bewegung erfolgt. Bei weiteren Ausweisungen erfolgt Nachricht. Die in der Liste angeführten Personen sind bereits von selbst abgereist. Der Ort ihres Reisezieles ist hier nicht bekannt.“ Die 13 Personen umfassende Liste nennt an 12. Stelle Wilhelm Reich, an 13. Karl von Motesiczky (8).

Reich, der nach Aufenthalten in Kopenhagen und Malmö im Spätherbst 1934 in Oslo (Reich 1995, S. 265) angekommen war, setzte in Norwegen seine sexualpolitische Arbeit fort. Er gründete die „Zeitschrift für Politische Psychologie und Sexualökonomie“ (ZPPS), zu deren Mitarbeitern und Geldgebern Karl von Motesiczky zählte. Motesiczky publizierte zwischen 1934 und 1938 unter verschiedenen Pseudonymen, v. a. unter dem Namen Karl Teschitz (9), eine Vielzahl von Rezensionen und Artikel in der ZPPS (10) und wurde so zum „politischen Sprecher der Reich-Gruppe“ (Dahmer 1982, S. 353). In seiner „Kritik zur kommunistischen Politik in Deutschland“ (Teschitz 1934) warf er der KPD und KI vor, „in den letzten Jahren schwere Fehler begangen“ und damit „die Niederlage des deutschen Proletariats mitverschuldet (zu) haben“ (ebd. S. 107). Diese Fehler sah er vorwiegend in „der Beurteilung der SPD und des Faschismus, in der Einheitsfronttaktik, der Gewerkschaftspolitik und (…) in der Anschauung über die Lage in Deutschland“ (S. 107).

1935 erschien – wieder unter dem Pseudonym Karl Teschitz – im Sexpol Verlag Motesiczkys Werk „Religionsstreit in Deutschland“, das in seiner Argumentation ganz der Reichschen Sexualökonomie verpflichtet war. Otto Fenichel fand diese Arbeit in seinem Rundbrief XXI (31. 12. 1935) „höchst beachtens- und diskussionswert“ und bestimmte sie „zum Thema eines Referatenabends der Prager analytischen Gruppe“ (Fenichel 1998, S. 302f.). In der Einleitung zum Buch kritisierte Motesiczky die Psychoanalyse, die ihren „eigenen revolutionären Grundsätzen untreu geworden und verbürgerlicht (sei)“ (Teschitz 1935, S. 6). Heftig polemisierte er gegen den Typus des „unpolitischen Wissenschafters“: Dieser werde seine Schrift zwar „mit einigem Interesse lesen, aber den politischen Zusammenhang, in dem alles gebracht ist, zum Teufel Wünschen. Ihm sei gesagt, dass gerade sein Unpolitischsein mit Schuld daran war, dass z. B. in Deutschland in aller Ruhe hinter seinem Rücken das Fundament untergraben wurde, auf dem er sich friedlich theoretisierend sicher wähnte. Im dritten Reich wird er, der immer unpolitische Wissenschaft machen wollte, gezwungen, entweder politische Unwissenschaft zu machen oder in die vom Naziregime immer enger gesteckte Grenze völliger Lebensferne zu flüchten. Endlich bleibt unserm Wissenschaftler die Möglichkeit, zu schweigen bzw. zu emigrieren“ (S. 8). Motesiczky versuchte im ersten Teil seiner Arbeit, die revolutionären und reaktionären Aspekte des Christentums und des Faschismus herauszuarbeiten und einander gegenüberzustellen. In einem mit „Religion als psychische Struktur“ überschriebenen Abschnitt führte er dann aus, wie die Kirche durch ihre Sündenlehre die Gläubigen durch die unerfüllbare Forderung nach sexueller Enthaltsamkeit in Spannung halte. Der daraus resultierende Leidensdruck führe die Betroffenen eben wieder dazu, bei der Kirche Trost und Beruhigung zu suchen, wodurch ihre Bindung an die Kirche erhalten und gestärkt werde (S. 71). Er zog Vergleiche zwischen der religiösen Ekstase und der Reichschen Orgasmuslehre und ließ hier bereits Aspekte der Vegetotherapie einfließen (S. 74ff.). In seinem Schlusskapitel warnte er davor, den Kampf gegen die Religion mit einer „abstrakt ideologischen Propaganda“ zu führen, weil Aufklärung immer nur in Verbindung mit der Praxis sinnvoll sei (S. 101).

Neben seiner publizistischen Arbeit und seiner psychoanalytischen Schulung bei Reich in Oslo – unter dessen Supervision begann er Patienten zu behandeln – beteiligte sich Motesiczky auch an den ab Februar 1935 von Reich durchgeführten bio-elektrischen Experimenten über Sexualität und Angst (Reich 1996, S. 99), die sich über fast 2 Jahre hinzogen (Boadella 1998, S. 173).
Als Reich begann, seine Emigration nach Amerika vorzubereiten, kehrte Motesiczky im Winter 1937/38 nach Österreich zurück. Für seine Entscheidung, als sgn. „Mischling I. Grades“ nach dem Einmarsch der Nationalsozialisten im März 1938 in Österreich zu verbleiben (11), spielten vermutlich verschiedene Motive eine Rolle. So war Motesiczky daran gelegen, sein großes Anwesen am Kröpfelsteig 42 in der Hinterbrühl vor den Nazis zu retten. Ein anderes Motiv für seinen Verbleib in Österreich war, dass Karl von Motesiczky Widerstand leisten wollte (Gaisbauer 1986, S. IV). Vornehmlich an den Wochenenden traf an seinem Wohnsitz in der Hinterbrühl eine große Zahl antifaschistischer und jüdischer Freunde zusammen. Unter ihnen waren auch Franz und Annie Urbach. Annie, die Schwester Ernst Federns, berichtete über diese Zeit: „Vor allem war er (Karl v. Motesiczky, CR) unglaublich gut und hilfsbereit gegen seine jüdischen und Anti-Nazi Freunde. Wir verbrachten den ganzen Sommer ´38 bei ihm mit unserem damals vierjährigen Sohn. (Lebensrettend)“(12). Im Herbst 1939 beschlossen Motesiczky und seine Freunde Kurt Lingens und Robert Lammer, eine Widerstandsgruppe zu bilden, der auch Ella Lingens und Hilde Lammer sowie das Ehepaar Zeiss und Heinrich von Lieben angehörten. Jeden Mittwoch traf sich die Gruppe in der Wohnung des Ehepaares Lingens, um BBC-Sendungen zu hören, über Politik zu diskutieren und Widerstandsaktionen zu planen. So wurde das Drucken von Flugblättern, die in Telefonzellen deponiert werden sollten, als eine Möglichkeit des Widerstandes (13) angesehen.

Karl von Motesiczky setzte in Wien sein bereits in Oslo begonnenes Medizinstudium fort. Gleichzeitig ging er bei dem in Österreich gebliebenen Psychoanalytiker August Aichhorn in Analyse. Motesiczky schlug Aichhorn vor – inzwischen war er in inhaltlicher Distanz zur Reich-Gruppe getreten – ein Einführungsseminar in die Psychoanalyse abzuhalten, das dann auch ab Herbst 1940 (14) einmal wöchentlich stattfand. Aichhorn setzte sich bereits vor Beginn des Seminars bei Matthias Heinrich Göring, dem Leiter des „Deutschen Instituts für psychologische Forschung und Psychotherapie“ in Berlin für Motesiczky ein, damit dieser als Kandidat für die Ausbildung zum Psychotherapeuten angenommen werden konnte. Die Antwort Görings war eindeutig: „Für Mischlinge ersten Grades besteht kaum die Möglichkeit, die Approbation zu erlangen“ (15).

Als ein ehemaliger Studienfreund, Alex Weißberg-Cybulski, Ella Lingens von Krakau aus bat, ihn in die Schweiz zu bringen, entschlossen sich das Ehepaar Lingens und Karl von Motesiczky ihm zu helfen. Im Juli 1942 schickte Weißberg-Cybulski die Brüder Jakob und Bernhard Goldstein mit ihren Ehefrauen nach Wien, die sich über die Lage informieren sollten. Das Ehepaar Lingens und Motesiczky glaubten, dass sie den Fluchtweg ausprobieren wollten. Der Plan sah vor, die Goldsteins über Vorarlberg in die Schweiz zu schmuggeln, jedoch wurde die Gruppe von einem Gestapospitzel verraten (16). Am 13. 10. 1942 erfolgte ihre Verhaftung (17). Motesiczky und Ella Lingens wurden vier Monate im Gestapohauptquartier auf dem Morzinplatz interniert (18). Am 16. 2. 1943 um 4 Uhr morgens verließen sie mit einem Gruppentransport den Nordwestbahnhof, der in der Nacht vom 19. auf den 20. 2. 1943 im Konzentrationslager Auschwitz eintraf (Lingens 1966, S. 14). Ella Lingens konnte als Nichtjüdin und Ärztin den Holocaust überleben. Karl von Motesiczky ließ eine letzte Nachricht aus Auschwitz seinem Jugendfreund Friedrich Wildgans zukommen, den er in einem Brief bat, ihm sein Cello zu schicken, um in der Häftlingskapelle spielen zu können (19). Er starb am 25. 6. 1943 im Block 19, einem Häftlingskrankenbau, an Typhus.

Während der Arbeit an der Biographie Karl von Motesiczkys wurde mir immer deutlicher die Mauer des Schweigens bewusst, die sich in den fast 60 Jahren seit seiner Ermordung in Auschwitz um seine Person aufgebaut hat. In den wenigen Darstellungen über die österreichische Psychoanalyse im Nationalsozialismus findet sein Name – wenn überhaupt – meist nur am Rande Erwähnung. Erst bei Soms-Rödelheim (1976) und in Wolfgang Hubers umfassender Darstellung über die „Psychoanalyse in Österreich seit 1933“ wird auf ihn hingewiesen (Huber 1977, S. 65) (20). In Wilhelm Reichs Schriften finden sich nur zwei Belege (Reich 1996, S. 99, S. 157) für die jahrelange Zusammenarbeit mit Karl von Motesiczky. In seiner Selbstdarstellung „Über mein Leben“ schrieb Lambert Bolterauer (1992, S. 69) – ein Teilnehmer an August Aichhorns Seminar – über die damaligen Ereignisse: „Wir (die Teilnehmer am Seminar, CR) erlitten einen Schock, als wir erfuhren, dass Frau Dr. Lingens nicht mehr teilnehmen konnte wegen Verhaftung durch die Gestapo.“ Karl von Motesiczky wird mit keinem Wort erwähnt. Auch August Aichhorn nahm in seiner Gedenkschrift vom 10. 4. 1946 zu Motesiczky lediglich in einem einzigen Satz Stellung: „Einer der Freunde Graf Karl von Motesiczky, der viel zur Bildung der Gruppe beitrug, wurde später von der Gestapo verhaftet und kam im Konzentrationslager um“ (21). Diese Gedenkschrift ist nicht identisch mit Aichhorns Vortrag „Die zukünftige Arbeit der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung“, den er anlässlich der Wiedereröffnung der WPV ebenfalls am 10. 4. 1946 (Steinlechner 1980, S. 213ff.) hielt und in dem er auf die national-sozialistischen Verbrechen, denen das Ehepaar Lingens und Karl von Motesiczky zum Opfer gefallen waren, nicht einging. Heimito von Doderer, „der so etwas wie der Staatsautor der Zweiten Republik wurde, weil er willens und fähig war, die politischen Feinde von gestern gleichermaßen zu repräsentieren“ (Gauß 1998, S. 12) und schon 1946 über das Schicksal seines Freundes wusste (22), traf 1966 anlässlich ihrer ersten Ausstellung in Österreich auf Motesiczkys im englischen Exil lebende Schwester Marie-Louise. Obwohl sie nicht sicher war, ob Doderer „bezüglich seiner Abkehr von den Nazis nicht bloß gelogen hätte“, akzeptierte Marie-Louise von Motesiczky seinen Vorschlag, die Eröffnungsrede zu halten, in der er sich als einen „Freund ihres großen Elternhauses“ bezeichnete. Seinen Freund Karl von Motesiczky erwähnte er mit keinem Wort (Fleischer 1996, S. 528).

Das Anwesen in der Hinterbrühl am Kröpfelsteig 42 befindet sich heute im Besitz des SOS-Kinderdorfes. Vor dem Haupthaus steht eine überlebensgroße Büste Hermann Gmeiners. Ein Hinweis auf die Ereignisse während des Nationalsozialismus ist aufs erste nicht zu finden. In der Nähe des Spielplatzes jedoch, ganz abseits der Straße zwischen drei Nadelbäumen versteckt, ist eine kleine schwarze Pyramide aufgestellt. Karls Mutter und seine Schwester Marie-Louise von Motesiczky ließen sie 1961 errichten. Darauf sind die Worte eingraviert:

Karl von Motesiczky
geb. 1904 gest. 1943

Für die selbstlose Hilfe,
die er schuldlos Verfolgten gewährte,
erlitt er den Tod.

Nach fast einem Jahr Abwesenheit besuchte ich am 27. Juli 2000 zusammen mit einer Freundin wieder Karl von Motesiczkys Gedenkstätte in der Hinterbrühl. Sie war wenige Tage zuvor zerstört und mit Hakenkreuzen geschändet worden. Laut Bericht des Innenministeriums sind die rechtsradikalen Übergriffe in Österreich in den letzten 18 Monaten um 103% gestiegen.

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Anmerkungen:

1) Elise Gomperz blieb Freud weiterhin verbunden und versuchte ihm, bei der Verleihung des Professorentitels zu helfen (vgl. Freud 1980).
2) Edmund Graf Motesiczky hatte sein Doktorat in Chemie gemacht. Es gibt jedoch keine Hinweise darauf, dass er diesen Beruf auch tatsächlich ausgeübt hätte. Obwohl er nicht Berufsmusiker war, übte er täglich mehrere Stunden und musizierte mit Brahms und dem Rose´-Quartett.
3) Dieses besondere Talent und die beiden kostbaren Stradivari und Guerneri Celli wird Edmund später seinem Sohn weitergeben.
4) Brief Karl v. Motesiczkys an seine Schwester Marie-Louise vom 30.11.1930, Motesiczky-Archiv, London.
5) Außer Karl von Motesiczky ist keine andere Person aus dem Sexpol-Kreis mit den Initialen K. M. bekannt. In Reichs Autobiographie „Menschen im Staat“, die er 1953 in Amerika publizierte, fehlt dieser Hinweis. Er führte nur noch Leunbach als Teilnehmer der oben zitierten Sitzung an, den er auch als einen „der führenden Vorkämpfer der Sexpol“ (Reich 1995, S. 162) bezeichnete.
6) Ella Lingens (1983, S. 12) schreibt, dass Motesiczky Reich „nach Berlin (…) gefolgt ist“. Die beiden könnten sich demnach auch schon in Wien begegnet sein.
7) Schreiben der Bundespolizeidirektion Wien an das Geheime Staatspolizeiamt in Berlin vom 17. 4. 1933, DÖW 17.005.
8) Schreiben der Geheimen Staatspolizei Berlin an die Bundespolizeidirektion Wien vom 5. 5. 1933, DÖW 17.005.
9) Wird der Name Motesiczky nach der Aussprache geschrieben und streicht man die ersten und letzten beiden Silben, so erhält man den Karl Mo(teschitz)ky. Am 31. 12. 1935 nannte Otto Fenichel in seinem XXI. Rundbrief das gerade erschienene Buch von Karl Teschitz. In Klammer schrieb Fenichel neben dem Namen Karl Teschitz Motesiczkys Spitznamen – Motte. Für diesen Hinweis danke ich Dr. Karl Fallend. Weitere Pseudonyme, die aufgrund der inhaltlichen und sprachlichen Übereinstimmungen mit großer Wahrscheinlichkeit Motesiczky zuzuordnen sind, lauten Karl Muster und die Abkürzungen K. M., K. T., C. T., Mo. und M. Auffallend ist, dass Motesiczky seine politischen Artikel immer unter dem Pseudonym Teschitz, der möglicherweise auch als Partei- oder Deckname diente, veröffentlichte, während er Arbeiten über die Psychoanalyse stets mit den Abkürzungen Mo., K. M. und M. versah.
10) Leider war es mir bisher nicht möglich, eine vollständige Ausgabe der ZPPS aufzufinden. Die fehlenden Hefte umfassen die Nummern 10-14 aus den Jahren 1936/37 und die Hefte ab Nummer 15 (1938). Für Hinweise wäre ich dankbar.
11) Seine Schwester Marie-Louise flüchtete einen Tag nach Hitlers Einmarsch gemeinsam mit der Mutter zunächst nach Holland. Auf Karl von Motesiczkys Rat hin – er meinte, dass sie dort nicht sicher genug wären – emigrierten sie schließlich nach London, wo Marie-Louise, eine Schülerin Max Beckmanns, eine bekannte Malerin und die langjährige Lebensgefährtin Elias Canettis wurde.
12) Brief von Annie Urbach an das DÖW o. D. (vermutlich 1971/72), DÖW 7245a.
13) Persönliche Mitteilung von DDr. Ella Lingens. Die Frage, wie man Widerstand leisten könnte, beschäftigte Motesiczky auch, wenn er mit seinem Jugendfreund Friedrich Wildgans, dem Sohn des bekannten österreichischen Dichters Anton Wildgans, in der Hinterbrühl zusammenkam. Wildgans war aufgrund der Verleumdung eines Nazispitzels 16 Monate in einer „konzentrationslagerähnlichen Strafanstalt“ interniert gewesen. In der Zeit nach seiner Verhaftung besuchte er häufig seinen Freund Karl von Motesiczky und gehörte auch dem Musikerkreis an, der sich v. a. aus älteren jüdischen Musikern zusammensetzte, die bei Motesiczky Unterschlupf gefunden hatten. Persönliche Mitteilung von Ing. Gottfried Wildgans.
14) Laut DDr. Ella Lingens fand der erste Kurs erst ab Herbst 1940 statt. Aichhorn bekam im Herbst 1941 die Erlaubnis, Kandidaten auszubilden. Nach Wolfgang Huber (1977, S. 242f.), der sich auf Aichhorns Tätigkeitsbericht aus dem Jahr 1944 bezieht, begann Aichhorn bereits im Herbst 1938 mit einem Kurs, der „zumindest ab 1939 (…) offiziellen Charakter“ hatte. Aichhorn selbst schrieb in einem Brief an Felix Schottländer, dass er „schon 1938 einen kleinen Kreis von jungen Ärzten und Psychologen“ um sich „sammelte“ (zit. n. WPV 1976, S. 115).
15) Brief von M. H. Göring an A. Aichhorn vom 28. 6. 1940, zit. n. Lingens (1983); Lockot (1985) führt einige Mitglieder des Deutschen Psychologischen Instituts an, die „Mischlinge I. Grades“ oder Juden waren, S. 172ff.
16) Bericht von DDr. Ella Lingens an das DÖW 7245b.
17) Tagesbericht Gestapo Wien Nr. 5 vom 13. 10. 1942, DÖW 5733f
18) Motescizky soll sich dem Vernehmen nach beim Verhör durch die Gestapo ungeschickt verhalten haben, da er nach anfänglichem Leugnen alles zugab, nachdem man ihn damit konfrontierte, dass Klinger schon alles gestanden hätte. Bericht von DDr. Ella Lingens, DÖW 7245f.
19) Persönliche Mitteilung von Ing. Gottfried Wildgans
20) Alle weiteren Artikel zum Thema „Psychoanalyse und Nationalsozialismus“ folgen der Darstellung Hubers (1977); vgl. dazu Brainin/Kaminer (1982); Leupold-Löwenthal (1982) und (1987).
21) A. Aichhorn, Gedenkschrift 1946, unveröffentl. Manuskript, zitiert nach Solms-Rödelheim (1976) S. 1181. Das Originalmanuskript konnte bis jetzt nicht aufgefunden werden. Auch eine Nachfrage bei der Sigmund Freud Gesellschaft blieb ergebnislos.
22) Brief von Heimito von Doderer an Gaby Murad vom 22. 3. 1946, in: Wolff (1996, S. 143).
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