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Über die Individualisierung in der Homöopathie

Ein Gespräch mit Thomas Teichmann, praktischer Arzt, Facharzt für physikalische Medizin und Rehabilitation und Homöopath führten
Beatrix Wirth und Wolfram Ratz :

Jeder, der therapeutisch handelt, arbeitet mit der Erwartung von Heilung – sei es mit der Erwartung der Menschen, die sich als heilsbe-dürftig erleben, sei es mit seiner eigenen Erwartung. Glücklicherweise ist das lebendige Wesen des Universums ein heilungsförderndes, sodaß – unabhängig davon, wer und auf welche Art er auch immer handelt -, Heilungsprozesse die Regel sind. Das erscheint nicht sofort einsichtig, denn: Gibt es nicht immer mehr chronisch Kranke? Nehmen manche allergische und degenerative Krankheiten nicht immer mehr zu? Und ist die Lebenserwartung (abgesehen von der Kindersterblichkeit) nicht gesunken?- Tatsächlich läßt sich all das beobachten und ist auch geeignet Sorge und Zweifel an der allgemeinen Entwicklung der Gesundheit zu wecken. Bewegen wir aber das Zentrum unserer Aufmerksamkeit auch nur ein kleines Stück zur Seite und betrachten bei Heilungsprozessen den Anteil der Lebensvorgänge (überragend), die Häufigkeit ihres Auftretens (regelmäßig und oft), so klärt sich, angesichts der jeden Augenblick ablaufenden Regenerations-, Ersatz-, Reorganisations- und Wachs-tumsvorgänge in jedem Bereich, den wir dem Lebendigen zurechnen können, die Aussicht auf ein erstaunliches, aber alltägliches Wunder.
Wo Leben ist, bekommen Prozesse des Heilwerdens und Wieder-Heilwerdens, den Gesetzen und Mustern dieses pulsierenden Lebens folgend, Energie und Unterstützung. Will jemand heilen, also Heilung auslösen, beschleunigen, abkürzen, in eine Richtung lenken, oder den Ausgang manipulieren, so steht er vor der Aufgabe, die Gesetze der wirkenden Kraft soweit zu erkennen, daß er vermeidet, seine Möglich-keiten durch Wirken gegen sie in ihrer Menge zu verschwenden und in ihrer Qualität zu pervertieren (siehe z.B. ORANUR-Experiment). Die Hypothesen und Regeln, nach denen der Heiler vorzugehen versucht, müssen am Ergebnis beurteilt werden, und zwar nach – von seinen Hypothesen – unabhängigen Kriterien.

das von selber, dann braucht man keine gesunde Ernährung, weil man ißt dann nur das, was einem gut tut, man trinkt dann nicht mehr zu viel Alkoholisches, wenn man merkt, man hat so einen Schädel nachher oder überhaupt den Kontakt zu den anderen im Rausch verliert. Man raucht nicht mehr, wenn man spürt, daß einem die Energie bei den Beinen rausfließt. Man „vögelt“ nicht mehr drauf los ohne Beziehung zum Partner, weil es keinen Spaß macht. Man könnte auch sagen: Tue alles, daß es Lust bereitet – lustvoll und leidvoll -, daß man´s einfach wirklich intensiv spürt.- Und bei der Feldenkrais-arbeit auf der Matte: einfach nur zu spüren, was passiert, wenn man am Rücken liegt, was passiert, wenn man den Kopf ein bißchen zur Seite dreht und plötzlich die Fersen anders am Boden liegen, wie das alles zusammenhängt, also viel mehr in der Wahrnehmung bleibt. Nicht im Gefühl. Ich finde das Gefühl manchmal hinderlich. Auch nicht im Denken, ich finde das Denken manchmal hinderlich. Was am heilsamsten ist, liegt in der Wahrnehmung. Zu spüren, was passiert jetzt in mir. Und wenn man diese Achtsamkeit, diese inneren Gefühle für den Körper entwickelt, dann ist man gesund.- Dazu hat Beatrix nach einem Workshop vor kurzem etwas Schönes gesagt: „Ich werde immer mehr ich selbst.“ Das ist das gleiche Ziel – sowohl bei Reich als auch in der Homöopathie: die Selbstwerdung zu fördern.

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