Bukumatula 4/1988

Brief des Herausgebers

w.r.:

BRIEF DES HERAUSGEBERS

Ein aufschlussreiches Stimmungsbild über die Zeit der frühen Psychoanalyse in Wien der zwanziger Jahre zeichnet Martin Wolkerstorfer in einem Gespräch mit Ernst Federn. Sein Vater, Paul Federn, war langjähriger Vorsitzender der „Wiener Psychoanalytischen Vereinigung“ und „Stellvertreter“ Freuds. Ernst Federn wurde 1936 – er damals Bezirksleiter der „Revolutionäre Sozialisten“ im achten Bezirk – verhaftet. Nach mehr als einem Jahr Untersuchungshaft wurde er 1938 nach Deutschland deportiert und später nach Buchenwald gebracht. Er wurde 1945 von den Allierten befreit und folgte seiner Familie in die USA, wohin sein Vater 1938 ausgewandert war Ernst Federn lebt seit den sechziger Jahre wieder in Österreich und war bis vor kurzem als Analytiker im Strafvollzugsbereich tätig.

Bezüglich der gesetzlichen Regelung psychotherapeutischer Arbeit ist jetzt doch einiges in Bewegung zu kommen. Auf eine Initiative der Wiener Handelskammer hin wird mit Jahreswende das freie Gewerbe „Psychologische Beratung“ aufgehoben und durch die Bezeichnung „Lebens- und Sozialberatung“, dies aber als konzessionierte Gewerbe – also mit entsprechendem Ausbildungsnachweis – ersetzt werden. Diese Initiativ dürfte auch auf die Erstellung eines schon so lange diskutierten „Psychotherapiegesetzes“ ein Auswirkung haben. In einer der nächsten Ausgabe werden wir einen Beitrag zu diesem Thema bringen.

w. r.

Wien, am 6. Oktober 1988