Bukumatula 3/1988

Brief des Herausgebers

Der amerikanische Psychotherapeut Al Bauman leitete im Juni 1988 ein mehrtägiges Fortbildungsseminar.- Wir befragten ihn über seine Beziehung zu Wilhelm Reich und seine Arbeit als Künstler und Therapeut.

Myron Sharaf, Psychotherapeut und Psychologieprofessor an der Harvard University in Massachusets/USA, kommt – auf Einladung des WRI – erstmals zu einem Fortbildungsseminar und einem Vortrag im September dieses Jahres nach Österreich.

Sharaf war von 1948 bis 1954 Mitarbeiter Wilhelm Reichs. Schon bevor er als Achtzehnjähriger Reich zum ersten Mal traf, wußte er, daß er „Orgonom“ werden wollte.- Diese ursprüngliche Begeisterung legte sich jedoch – was seine persönliche Beziehung zu ihm anbelangt – im Laufe der mehrjährigen Zusammenarbeit mit Reich. Mit einiger Beharrlichkeit erreichte Sharaf, daß er von Reich – als einer von ganz wenigen Mitarbeitern – auch von ihm selbst therapiert wurde.- Sharaf übersetzte damals Artikel aus dem Deutschen für Reichs Zeitschrift „Orgonomic Functionalism“. Später fungierte er als Herausgeber des „Orgone Energy Bulletin“. Er selbst bezeichnet sich als „Historiker der orgonomischen Forschung“. Sorgältig führte er Aufzeichnungen über Reichs damalige Arbeit. Sämtliche dieser Mitschriften sind jedoch – wie auch die anderen späteren Schriften Reichs, bis zum Jahr 2007 – im gesperrten Nachlaß Wilhelm Reichs verwahrt.

Schon bei seinem allerersten Zusammentreffen riet Reich ihm ab, therapeutisch tätig zu werden und erklärte ihm aus einem – was die Therapie betrifft schon sehr pessimistischen Standpunkt: „You get caught up with people, you get involved in their lives. When a tree has grown crooked, it will never be straight again. Prevention is what counts“.

Als Therapeut, erzählt Sharaf, war Reich in erster Linie darauf bedacht, den „Körperpanzer“ aufzulösen; an der analytischen Aufarbeitung seiner Probleme war er weniger interessiert.

1952 verließ Sharaf Orgonon, um sein Psychologiestudium abzuschließen, wobei er jedoch weiterhin mit Reich in Kontakt blieb.

Sharaf über sein Studium in Harvard und sein späteres Arbeiten im universitären „Establishment“: „I tended to devalue what I was learning in the „establishment“. My passion was reserved for my extracurricular life, for what I have learned with Reich“.

Sharaf ist, neben Ollendorf-Reich, der einzige Biograph, der Reich auch persönlich gekannt hat. über seine ambivalente Beziehung zu ihm, zeichnet er – in seinem 1983 erschienen Buch „Fury on Earth“ – ein sehr farbiges Bild über Reichs Person und dessen Werk. Es ist ein Buch, das sich für jeden zu lesen lohnt, der sich für Reich in irgendeiner Weise interessiert. Eine Buchbesprechung und Hinweise auf die Veranstaltungen mit Myron Sharaf finden sich in dieser Ausgabe.

Das Wilhelm Reich Institut übernimmt die „Schirmherrschaft“ für Arbeitsgruppen, die sich mit Reich-Themen befassen. Dabei handelt es sich um in Eigeninitiative erstellte Arbeitskreise, die, soweit uns möglich, unsere Unterstützung finden. Ein erster Arbeitskreis mit dem Titel „Kosmische Überlagerung“ wird im kommenden Herbst beginnen.