Bukumatula

Vom Christusmord und der natürlichen Geburt

Vortrag von Dr. Eva Reich am 18. Jänner 1991 in Wien
Wolfram Ratz:


Das Thema heißt: „Vom Christusmord und der Sanften Geburt“. Ich werde mit der Sanften Geburt beginnen.- Zu diesem Thema habe ich letzte Woche in Gänserndorf einen Vortrag gehalten und über die bisherigen Erkenntnisse berichtet. Die Definition „Sanfte Geburt“ ist nicht ganz klar. Es gibt die Sanfte Geburt, die Natürliche Geburt, die Aktive Geburt, die Humane Geburt – habt ihr noch andere Namen dafür?

Also viele Namen zum gleichen Thema.- Etliche Frauen, die in angeblich alternativen Gebutsstationen ihr Kind empfangen haben sind in Gänserndorf aufgestanden und haben gesagt: ‚Mein Kind wurde mir gleich nach der Geburt weggenommen, ich war zu schwach um zu sagen, daß ich es die ganze Zeit über bei mir haben möchte‘. Offensichtlich kam es darüber häufig zu Auseinandersetzungen zwischen Hebammen und Müttern. Darüber war ich ganz erstaunt. Etliche hatten eine Menge zu sagen, viele haben sich nicht getraut über ihre persönlichen Erlebnisse zu sprechen. So manches kam heraus – zwischen den Zeilen. Im Anschluß an den Vortrag ist es zu einer sehr heftigen Diskussion mit viel Pro und Kontra gekommen.

Seit dreizehn Jahren komme ich jetzt regelmäßig nach Österreich; von Anfang an habe ich sehr aktiv an den Vorbereitungen für die Bewegung der Sanften Geburt mitgearbeitet. Das hat in Wien mit dem „Arbeitskreis für Sanfte Geburt“ angefangen. Neben Leboyer, Michel Odon, usw. war auch ich zu Vorträgen eingeladen; da hat sich was getan. Ich erinnere mich auch noch gut an einen Workshop in der Semmelweisklinik. Dorthin kamen etliche Leute, die auch jetzt hier aktiv für die Sanfte Geburt eintreten.- Ich selbst habe mich als Hebamme für diese Bewegung verstanden.

Sanfte Geburt hat vor allem mit Demokratie zu tun. Mutter, Kind, Hebamme, Arzt und Vater sind ein Team. Das wichtigste dabei ist, daß die Frau in ihrem Prozeß nicht gestört wird. Das heißt auf französisch: „Ne pas deranger la femme“. Das hat mit Hormonen nichts zu tun, sondern mit der Würde der Frau; damit, daß die Geburt in entspannter Atmosphäre vor sich gehen kann und daß die Wünsche der Frau respektiert werden. Wenn die Frau zum Beispiel liegend gebären will, weil sie schon fünf Kinder hat und das Baby zu schnell kommt, weil sie sich aufregt, gut, dann darf sie liegend gebären. Wenn sie durstig ist, dann darf sie ein paar Schluck Wasser zu sich nehmen, niemand wird es ihr verbieten. Wenn der Vater bei der Geburt dabei sein will, kann er dabei sein, wenn er sich dabei nicht gut fühlt oder lieber in der Arbeit bleiben will, soll er fernbleiben. Niemand zwingt niemanden. Das ist das Prinzip der Natürlichen Geburt.- Wenn das Baby gekommen ist, heißt man es willkommen indem man sich Zeit nimmt es zu berühren; es wird nicht sofort und in Eile mit dem Waschen, dem Messen, etc. begonnen. Die Art des Willkommenheißens ist sehr wichtig.

Ich möchte jetzt zu den Ereignissen Oberpullendorf gehabt. Ich war dort etwa sechsmal von Dr. Jaskulski eingeladen und habe als Gast mitgearbeitet. Ich habe ganz einfache Hilfsdienste verrichtet. Ich habe den Frauen den Rücken massiert, ihnen die Leibschüssel gebracht, die Babies gebadet etc.; was immer gemacht werden mußte, habe ich gemacht. Die Geburtsstation in Oberpullendorf war sauber, die Einrichtung war schlicht und alle notwendigen Geräte waren vorhanden. Dort hat Dr. Jaskulski allmählich ein Team aufgebaut, mit dem er auch Neues anwenden konnte, nämlich die Vertikale Geburt. Hockende Geburten, Stehende Geburten, Wassergeburten – vor allem aber waren das „schöne“ Geburten. Wenn notwendig wurden die Türen zum anschließenden Operationssaal aufgestoßen und innerhalb von zehn Minuten war alles für einen Kaiserschnitt vorbereitet. Das passierte in etwa 5% der Fälle. Das heißt, die meisten Geburten verliefen problemlos. Die Statistiken waren jedenfalls im Vergleich zu anderen Hospitälern sehr gut. Und dann kam es zu einer Änderung. Einige dieser Hebammen der ersten Stunde, die hier wirklich an etwas einmalig Neuem mitarbeiteten sind im Laufe der Zeit weggegangen. Andere kamen dazu und haben weder von ihrem Bewußtsein, noch von ihrer Ausbildung her sich auf diese neue Situation einstellen können oder wollen. Vereinzelt kam es dazu, daß Babies geschädigt wurden; eines ist auch gestorben. Das geschieht überall in der Geburtshilfe; eine Geburt ist nie sicher. Das Risiko, daß ab und zu etwas passiert ist auch ein Recht der Eltern.

Ich war schockiert, als ich letzten Dezember wieder nach Oberpullendorf fahren wollte und Dr. Jaskulski mich gebeten hat nicht zu kommen. Ich erfuhr von ihm, daß gegen ihn ein Strafverfahren läuft und er als Primararzt suspendiert wurde. Die Schadenfreude in den Medien konnte nicht ausbleiben; das habt ihr sicher mitbekommen. Ich war sehr betroffen. In den österreichischen Institutionen scheint der Faschismus noch sehr lebendig zu sein. Man wird angegriffen, aber es gibt keine Möglichkeit der Verteidigung. Die Wahrheit war auf unserer Seite, aber sie fand keine ausreichende Unterstützung. In der Woche vor Weihnachten sollte eine Radiosendung zu diesem Thema mit mir aufgenommen werden, und vom Fernsehen war ich in den Club 2 eingeladen worden. Beides wurde vom ORF abgesagt.

Am 15. Dezember fand in Oberpullendorf schließlich ein Protestmarsch statt, an dem etwa eintausend Leute teilnahmen; Frauen, junge Eltern mit ihren Kindern, Schwangere, usw. Und da wurde gefordert: wir wollen die Sanfte Geburt, wir wollen Dr. Jaskulski. Auf mitgetragenen Transparenten konnte man lesen: ‚Frieden auf Erden beginnt mit der Sanften Geburt“, ‚Für Demokratie im Geburtssaal“, etc. Es wurde also sehr politisch. Auch die WHO hat sich in die Affäre eingeschaltet und sich unterstützend für Dr. Jaskulski geäußert. Er ist diese Woche vor Gericht gestanden.

Dr. Jaskulski hat sich vielleicht in einigen Dingen schuldig gemacht. Er scheint sich zum Beispiel nicht ausreichend mit seinem Team verständigt zu haben. Was mir an dieser Situation so stark auffällt ist, daß der Primar zwar für die Arbeit seiner Mitarbeiter verantwortlich ist, daß er sich das Personal aber nicht selber aussuchen kann. Es war dann auch bei einer Hebamme, bei der die meisten Fehler passierten. Jetzt gibt es dort nur zwei Hebammen und die Station ist geschlossen, denn zwei sind nicht genug. Das ist eine wahre Geschichte aus Österreich.

Und wo stehen hoffentlich alle von euch die entweder eine Sanfte Geburt erlebt haben, oder sich eine wünschen? Bitte, schreibt an die Burgenländische Landesregierung, daß ihr nicht möchtet, daß so eine Attacke gegen den öffentlichen Willen stattfindet. Wichtig ist, daß Frauen, die gebären, sich zusammentun und nach Oberpullendorf kommen. Ich habe in den verschiedensten Hospitälern bei Sanften Geburten mitgearbeitet und auch in meiner eigenen Praxis viele derartige Geburten sagen: wir brauchen solche Geburten. Und wir brauchen sie wirklich …. Denn in den Spitälern herrscht eine Art Diktatur. Irgendjemand ganz oben bestimmt, was die Frau und das Baby zu brauchen haben.

Auffallend für mich ist hier auch die Situation der Spitalserhaltung. Wenn man die Frauen am ersten Tag nach der Geburt, weil sie nicht geschnitten wurden, nach Hause gehen läßt, weil sie sich gut fühlen, dann verdient das Spital nichts, denn in Österreich wird pro Person und Tag bezahlt.- In Amerika ist es genau umgekehrt. In Amerika kostet jeder Tag zwei-, dreihundert Dollar, das kann sich kaum jemand leisten_ Niemand ist so gut versichert, und 40 Millionen sind überhaupt nicht versichert; da heißt es so schnell wie möglich wieder nach Hause zu kommen, auch wenn man sich noch schlecht fühlt.

Ich möchte jetzt Wilhelm Reichs Analyse der Jesus-Geschichte in dieses Thema einbringen. „Der Christusmord“ erschien 1951 erstmals in englischer Sprache und wurde dann auch ins Deutsche übersetzt. Ich habe vor Weihnachten versucht dieses Buch zu bestellen; mir wurde mitgeteilt, daß es seit Jahren vergriffen ist. Es ist gerade das Buch, das ich jedem, der mich fragte und einmal etwas von Reich lesen wollte, stets empfohlen habe.- Wer hat es hier gelesen? Ja, doch einige, das ist schön.

Nun, wie kommt es eigentlich zu solchen Attacken? Ich werde jetzt ein Beispiel bringen, das auch mit der Geburtshilfe zu tun hat: Ignaz Semmelweis hat sich darüber Gedanken gemacht, weshalb gerade auf seiner Station des Wiener Allgemeinen Krankenhauses so viele Frauen an Kindbettfieber starben, während sie auf einer anderen Station gesund blieben. Da folgende Beobachtung zu Hilfe : nachdem sich ein Kollege von ihm bei einer Autopsie selbst gestochen hat, traten die gleichen Symptome auf wie bei den Frauen mit Kindbettfieber Irgendwie mußte also ein Keim in den Organismus gelangen, der die Vergiftung bewirkt. Die Ärzte kamen daher im Frack, ganz elegant, aber mit ungewaschenen Händen. Sie gingen von Leichen zu Gebärenden und da war die Ansteckung. Damals wußte man noch nichts über Bakterien.

Die Lebensgeschichte von Ignaz Semmelweis ist sehr erschütternd. Die Ärzte haben ihn verfolgt und mit ihren Anklagen und ihren Verleumdungen in den Wahnsinn getrieben. Warum muß so ein Mann verfolgt werden für eine ganz einfache Beobachtung, die damals wissenschaftlich nicht nachvollzogen werden konnte? Er hatte nämlich recht; mit Pasteur wurde es bewiesen.

Im Namen der Sterilität ist das Pendel dann gänzlich auf die andere Seite geschwungen. Man hat angefangen, die Babies von den Müttern zu trennen. Das ist eine sehr ernste Sache. Wer therapeutisch arbeitet weiß, was dabei herauskommt. Es sind die einsamen Babies von Wien, die alleine gelassen und vor Kälte zitternd später zu menschlichen Beziehungen nicht mehr fähig sind. Mutter und Kind gehen aneinander vorbei, weil sie sich nicht berühre kam. Heute sind solche Geburten in Österreich möglich. Als wir vor dreizehn Jahren in Wien mit dieser Arbeit angefangen haben, war das nicht so. Die Beratungsstelle für Natürliche Geburt hat sich hier wirklich außerordentlich verdient gemacht.

Ich war gerade in Ungarn und in der Tschechoslowakei. Dort werden Mutter und Kind sofort nach der Geburt separiert, die Anwesenheit von Vätern ist nicht erlaubt; all die Fortschritte, die wir hier gemacht haben, gibt es dort noch nicht.

Ich bin bemüht aufzuzeigen, daß es sich bei alldem auch um ein Machtspiel über das Leben und das Lebendigsein geht. Das ist auch die Hauptidee von Reichs „Christusmord“. Reich stellte sich die Frage, warum sich die Angriffe auf das lebendige Leben ständig wiederholen. Er hat das anhand der Jesusgeschichte sehr eindrucksvoll analysiert. Etwas in der Menschheit ist am Werk, das bislang nie aufgedeckt wurde, das sozusagen hinter den Kulissen wirkt, aber immer aktiv ist und mit einer bestimmten Charakterstruktur zu tun hat, der es Spaß macht, andere zu unterdrücken und psychisch gefügig zu machen. Jesus sagte am Kreuz: ‚Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun‘. Beim Lesen dieses Buches wurde mir sehr schnell klar, wie das Prinzip dieser Unterdrückungsmechanismen funktioniert.- Die Attacken sind immer hinterlistig und verschwörerisch. Wahrheit und Verleumdung liegen ganz eng beisammen, aber Recht und Gerechtigkeit haben miteinander nichts zu tun.

In den Hospitälern herrschen oft ganz arge Gesetze. Bei meinem letzten Aufenthalt in Ungarn habe ich einen Arzt kennengelernt, der sich um die Sanfte Geburt bemüht. Aber schon bei den ersten versuchten Neuerungen wurde ihm mit Entlassung gedroht. Sein Chef hat Vorschriften für alles, alles ist per Gesetz geregelt, nichts darf geändert werden. Jede Frau muß rasiert werden, alle müssen einen Einlauf bekommen, etc.; sie sind ungefähr dort, wo wir vor vierzig Jahren waren. Ich habe vermittelt, daß er in der Geburtsstation in Nußdorf hospitieren darf. Dort wird er dann einen Zettel mit einem Stempel erhalten, der bestätigt, daß er von Sanfter Geburt auch wirklich was weiß.

Ich behaupte, daß ganz einfach dadurch, daß Mutter und Kind zusammenbleiben können, von Anfang an neurotischen Erkrankungen der Nährboden entzogen wird. Beim Rooming-In zum Beispiel gibt es Hautkontakt, da gibt es das. was wir „Bonding“ nennen, das Brustfüttern geht besser, das Baby ist glücklich und zufrieden. Das macht den Urgrund der Persönlichkeit aus. Jetzt wurden wieder diejenigen, die Rooming-In verlangten angefeindet.

Aber zurück zum Christusmord. Die Attacken erscheinen stets gerechtfertigt. Es heißt: „Wir sind die Wissenschaftler, wir verteidigen die. Babies und die Mütter“. Aber die Wirklichkeit ist anders. Die Angriffe bewirken lediglich, daß man in die Enge getrieben wird.- In Amerika wird zur Zeit die „Hausgeburt“ heftig angegriffen. Wenn Hausgeburten in ein Sicherheitssystem eingebunden sind und man bei Schwierigkeiten rasch reagieren kann, dann ist das eine ganz gute Sache. Wer in Amerika als Arzt Hausgeburten macht, kann seine Lizenz verlieren; das ist dort verboten, man kann gerichtlich dafür verfolgt werden.

Wir wissen jetzt, daß Semmelweis mit seinen Beobachtungen recht hatte. Aber lange Zeit über wurde er angefeindet und verleumdet. Warum hat jemand so ein Verhalten notwendig? Offenbar ist bei diesen Menschen die Angst Geld, oder aber vor allem Macht über andere zu verlieren sehr groß. Reich zeigte auf, daß diese Leute sehr gut im verstecken sind, es geht ihnen nicht ums Tageslicht. Sie begeben sich in Machtpositionen und werden Hospitaldirektor, Oberschwester etc. Sie wollen auf andere Druck ausüben, das macht ihnen Spaß. Auf jede Änderung, auf jede Art von Lebendigkeit gehen sie los wie ein Stier auf ein rotes Tuch. Warum haben sie es notwendig, diesen Haß zu entwickeln? – Reich war sehr deprimiert darüber und sah auch keinen Ausweg. Diese Machtmenschen kommen ja nicht in Therapie, von deren Charakter kann man nichts lernen, lediglich von deren Opfern.- Wer kennt die Briefe Mozarts, in

denen er sich über den Erzbischof beklagt, weil dieser ihn nicht wegziehen lassen wollte? Es hat ihm Spaß gemacht, Mozart, diese schöne freie Seele zu plagen, er wollte ihn so unglücklich sehen, wie er selber war. Reich meinte, daß solche Menschen über sehr viel Lebensenergie verfügen, daß sie überladen sind, aber mit negativer Energie. Sie wollen die Welt so bewahren wie sie ist und sie beherrschen. Was ich jetzt auch für mich dazu herausgefunden habe ist folgendes: Diese Menschen mit so viel Lebensenergie haben als Kinder besonders viel Schmerz erlebt, man hat sie sozusagen umgearbeitet mit Drohungen, Prügeln, Alleinelassen etc.; jeder von uns durchlebt so einen Prozeß in dieser Welt. Wenn jemand ungut ist, frage ich mich, warum ist er ungut, wer war zu ihm ungut? Wenn jemand einen anderen unterdrückt, frage ich mich, wer hat ihn unterdrückt? Das habe ich so zu verstehen gelernt.- Im „Christusmord“ sagte Reich, daß es die wichtigste Aufgabe der Welt sei, die Panzerung neugeborener Babies zu verhindern, damit die Kinder nicht wieder zu Opfer von Opfern werden und der neurotische Zirkel unterbrochen werden kann.- Mich für diese Idee einzusetzen ist sozusagen zu meiner Lebensaufgabe geworden.

Man muß sich fragen, was man Neugeborenen an Leid zufügt, was nicht notwendig ist. Zum Beispiel werden in Amerika noch immer etwa 70% der männlichen Neugeborenen in den ersten fünf Tagen beschnitten, aber ohne Narkose bitte! Die Kinder brüllen wie am Spieß, es tut ihnen weh. Nach der Beschneidung sind sie verkrampft, blau und kühl und sie vertrauen niemandem mehr. Und wir haben Erinnerungskassetten; in Amerika kennt jeder Therapeut diese wahnsinnige Angst bei Männern, wenn sie zu diesem Thema Wiedererlebnisse haben. Im „Christusmord“ betonte Reich, wie wichtig die ungepanzerten Anfänge des Menschseins für eine psychisch gesunde Entwicklung sind.- Dazu kommen noch andere Ideen, nämlich eine Kritik an der Jetzigen Welt…

Da jetzt der Golfkrieg ausgebrochen ist, möchte ich zu Saddam Hussein, dem „Aggressor“ etwas sagen. Ich habe im Time-Magazin gelesen, daß er nach acht Monaten seine Eltern verlor. Dann wurde er von einem Onkel adoptiert, der Militarist war, und der ihn in einem militärischen Setting aufgezogen hat, bis er vier Jahre alt war. Dann ist ihm auch dieser Onkel gestorben. Seine Liebe zur Macht und zum Militär hat für mich mit seiner eigenen Schmerzensgeschichte als Mensch zu tun, damit, daß er wenig glücklich war in seinem Leben. Das ist wichtig zu wissen. Die vielen neuen Erkenntnisse der Psychologie werden in die diplomatischen Gespräche nicht eingebracht_ Das ist ein Fehler. Es sollte eine Verpflichtung sein, die Problematik von beiden Seiten her kennenzulernen. Zum Beispiel mit Hilfe des Rollenspiels, das den Standpunkt des anderen verstehen lernen hilft. Wir wissen jetzt wie das handzuhaben ist. Ich kenne einige Therapeuten, die unglaublich geschickt sind, solche Konflikte durch so geführte Verhandlungen zu lösen. Aber zwei starke Männer, Machos, die stark bleiben müssen – was soll dabei herauskommen? Warum muß die Welt immer wieder in diese Abgründe fallen, wenn die Mehrheit eigentlich Frieden will? Wir müssen uns ansehen, wer für den Krieg und wer für den Frieden marschiert und wer wen verprügelt.

Es bleibt die Frage offen, wie wir mit diesen Menschen, die unter Minderwertigkeitsgefühlen leiden und andere unterdrücken müssen, umgehen können. Es gibt sie ja überall, auch in vielen Familien, wo z.B. der Vater den Diktator spielt.

Um zur Sanften Geburt zurückzukommen. Die Frau weiß von sich aus ganz genau in welche Position sie sich während der Kontraktionen begeben will. Sie weiß, daß sie sich besser fühlen kann, wenn sie sich zum Beispiel auf einer großen Matratze

herumwerfen kann, anstatt in einem engen Bett -angehängt an einen Monitor — zu liegen hat. Die Frau weiß, wie und wo sie sich entspannt und geborgen fühlen kann. Dabei werden Endorphine ausgeschieden, die, so wie ein Morphineffekt, ein schönes Körpergefühl vermitteln. Sobald irgendetwas Unangenehmes passiert, kommt die Frau in einen Streßzustand wo Adrenalin ausgeschieden wird und dann werden die Kontraktionen schmerzhaft.

Diese Art von Einsicht sollte schon heranwachsenden Jugendlichen gewährt werden. Ich weiß nicht, wie das in Österreich gehandhabt wird. Aber in Amerika, wo ich lebe, und ich lebe in einem Kleinstädtchen im puritanischen Nordosten, in Maine, gibt es noch keine Sexualerziehung in den Schulen. Wir sollten es besser Lebens-Erziehung nennen und auch die Biologie miteinbeziehen; wie schaut ein Baby nach zwei Monaten aus, nach drei Monaten, was passiert bei der Geburt, usw.

Junge Menschen sollten auch mit den Grundbegriffen der Bioenergetik vertraut gemacht werden. Was heißt es, Gefühle zu haben, wie fließt die Energie im Körper. Es sollte klar gemacht werden, daß ein gutes Gefühl mit Ausdehnung, und ein schlechtes Gefühl mit Kontraktion einhergeht. Und daß unterdrückte Gefühle pathologische Folgen haben können.

Zurück zur Sanften Geburt. Jede Frau weiß selber ob sie durstig ist und ob sie Harn lassen will, damit die Blase nicht zu groß wird. Sie weiß, daß sie nicht alleine sein und wen sie bei sich haben will. Sie braucht vielleicht ein bißchen Anleitung, wie sie besser atmen kann. Sie muß sich vor allem geborgen fühlen können. Ich bin ganz dafür, daß Frauen selber mit der Hand fühlen, daß das Baby kommt. Bei einer Vertikalgeburt kommt das Baby durch die Schwerkraft leichter heraus und geht nicht mehr zurück. Die Frau weiß sehr genau daß sie das Kind ohne allzugroße Anstrengung, herausatmen kann. Denn in der vertikalen Position kommt bevor das Baby die Händchen streckt – zuerst das Köpfchen durch die äußeren Teile der Scheide. Wie von einer Manschette umgeben, schaut es dann etwa 10 cm weit heraus, sie kann es sogar selber sehen, ganz anders als bei einer liegenden Geburt; und dann streckt es sich von allen Seiten gleichmäßig und daher reißen die Frauen nicht. Die Natur weiß ja auch was sie tut. Wenn das Baby heraußen ist, wird die Nabelschnur nicht gleich abgetrennt. Man wartet bis die Pulsation, die Blutzufuhr zum Baby aufhört, was etwa 15 bis 20 Minuten dauert.

Ich möchte noch ein Beispiel zum Thema Christusmord in der Sanften Geburt erwähnen, nämlich was mit Narkose und mit Schmerz zu tun hat. In der Bibel heißt es „Du mußt leiden“. In dem Buch „Geburt ohne Angst“ hat der Autor auf einen übersetzungsfehler aufmerksam gemacht. Im Original-aramäisch heißt das Wort „Ezze“ nämlich Arbeit und nicht Schmerz.

Die Kirche hat Sexualität stets unterdrückt, sogar in der Ehe. Es wurde tatsächlich gelehrt, daß die Frau bei der Geburt Schmerzen haben muß, weil sie mit ihrer Lust gesündigt hat. Eine Reihe von Hebammen haben noch immer diese Einstellung. Die Kirche hat alles darangesetzt, Verbesserungen in der Geburtshilfe zu unterbinden. Schmerzen zu lindern war sozusagen verboten. Ungefähr um 1840 wurden Chloroform und Äther erfunden. Bei schweren Geburten war der Einsatz dieser Mittel eine wirklich große Hilfe. Und dann ist das Pendel wieder umgeschlagen von „Du mußt leiden“ in „Du mußt Narkose haben“. Und das ging dann los rund um die Welt. Zum Beispiel in Brasilien, wo ich jetzt einigemale war, wird jeder Gebärenden eine Maske über das Gesicht gestülpt, auch wenn sie das gar nicht will. Als ich 1946 als Ärztin erstmals bei Geburten dabei war, wurde jede Frau routinemäßig narkotisiert. Die Frau hat das Kommen ihres Kindes nicht miterlebt.

Die Babys haben geschlafen, oft zwei, drei Tage lang.- In der Therapie sehe ich jetzt Leute, die damals so geboren wurden und im Psychodrama ihre Geburt wiedererleben, aber die schlafen. Von solchen passiven Geburten entstehen Lebensthemen wie: ich beende nichts, ich komme immer zu spät, etc. – Wer kennt das?

Gut, also zurück zur Sterilität. Jede Mutter hat das natürliche Instinkt, das Baby gleich nach der Geburt bei sich zu haben, außer, wenn sie es wirklich überhaupt nicht will, was ich auch schon erlebt habe. Als ich 1946 in der Geburtshilfe zu arbeiten begann, wurden die Frauen – aus Gründen der Sterilität – mit Ledermanschetten auf dem Tisch angebunden. Sie konnten ihr Baby gar nicht berühren; sie waren betäubt, es wurden ihnen die Beine gespreizt, ein Hohlkreuz war notwendig.- Die liegende Geburt hat ein König erfunden, Ludwig der XIV, der wollte sehen, was da los war, und das haben die Männer-Gynäkologen so übernommen.

Warum hat die Welt so verrückte Prioritäten? – So viel Geld wird für das Kriegen und so wenig für das Leben ausgegeben. Wir brauchen viel mehr von so schönen Geburtshäusern wie das in Nußdorf.

Geburts- und Krankenstation sollten sich nicht im gleichen Gebäude befinden. Aber die Machthaber in der Geburtshilfe wollen möglichst viele Geburten, nämlich fünftausend im Jahr. Das sind schon Riesenfabriken. In Südamerika ist das absurd. Ich war in Carracas, da gibt es das Spital Pallazio Conceptione, wo es bis zu einhundert Geburten jede Nacht gibt. Mir wurde dort übel. Es winden sich Frauen, die nicht wissen was sie erwartet und diese Art der ‚Versorgung‘ überhaupt nicht wollen. Sie liegen aufgebahrt als würden sie herkommen um zu sterben – in der Mitte sind Tische, wo das Blut fließt, denn jede Frau kriegt einen Schnitt ….ganz schrecklich, es gibt keine anwesenden Väter, niemand ist bei ihnen. …Schnitt die Ärzte…

Daß die Geburt in eine Operation umgewandelt wurde ist wieder ein anderes Thema. Und auf einer Seite liegen dann die Babies; es hat mich an gestapeltes Holz erinnert. Manchmal werden die Babies in diesen großen Hospitälern verwechselt. Ich kann nur sagen, daß es eine schlechte Politik ist, Geburten in so große Systeme hineinzubringen.

Es gibt viele gute Ideen für unsere Welt, aber wir nützen sie nicht; das ist auch Teil des Christusmordes. Wieso werden so wenige Ideen umgesetzt? Auch die WHO ist gegen die hohen. Kaiserschnittsraten, gegen alle diese technischen Interventionen und für eine einfache, natürliche Geburt.

Unsere Welt ist krank. Ist das schon allen klar? Ich glaube schon. Zu Freuds Zeiten mußte man sich an eine Welt anpassen, die auch zum Abschluß möchte ich noch eine kurze Geschichte erzählen. Habt ihr schon einmal von einem Plazenta-Stew oder einem Mutterkuchen-Gulasch gehört? (Lachen).- Kochen tut´s die Natur nicht, aber alle Säugetiere fressen nach der dem Gebären ihre Plazenta auf. Dafür muß es ja einen Grund geben, einen anderen noch als den der Sauberkeit, war meine Überlegung. Und ich habe dann erstmals einer Frau vorgeschlagen – ich werde das nie vergessen – sie war Vegetarierin (Lachen), daß sie ihre Plazenta essen soll. Sie hat in kleinen Stückchen etwa ein Drittel davon aufgegessen; es schmecke wie eine Weintraube, hat sie gemeint. Das klingt kannibalisch aber es war verblüffend, wie rasch sich diese Frau erholte, voll Energie war und sich ausgezeichnet fühlte. Ich habe es noch nicht geschafft, dieses Phänomen näher zu studieren, aber daß es im Mutterkuchen Substanzen gibt, die die Regeneration nach der Geburt beschleunigen, möchte ich behaupten. Die Biochemische Industrie sammelt ja Mutterkuchen und macht alle möglichen Präparate wie Östrogen, Permaglobulin, Progesteron, etc. daraus. Nur eine einzige Referenz habe ich; und zwar gibt es in dem Buch „Foundations of Psychohistory“ ein Kapitel, das diesem Thema gewidmet ist. Die ganze medizinische Literatur habe ich durchgesehen aber kein einziges Wort darüber gefunden.

Ich habe heute abend nicht alles über die Natürliche Geburt erzählt, gut, aber vielleicht habe ich Ihnen doch einen Einblick zum Stand der heutigen Geburtshilfe geben können.